Tierklinik St. Pölten / Hauterkrankungen Hund und Katze
Hauterkrankungen Hund und Katze2020-05-05T23:16:49+00:00

Mag. Nicole Klausner

Allgemeinmedizin und Dermatologie

Häufige Hauterkrankungen bei Hund und Katze

Zusammenfassung

Hauterkrankungen können mit verschiedensten Ursachen und Symptomen einhergehen.

Juckreiz ist der wahrscheinlich häufigste Vorstellungsgrund, da der Leidensdruck für unsere Vierbeiner und auch für die Patientenbesitzer sehr hoch ist.

Dieser Artikel hier gibt einen allgemeinen Überblick über häufige Hauterkrankungen, ohne genau auf die diagnostischen und therapeutischen Details einzugehen. Um die Übersicht zu bewahren konzentriert sich der Text auf die wichtigsten Erscheinungsbilder und garantiert keine Vollständigkeit.

Häufige Erkrankungen

Parasitäre Erkrankungen:

Die Bandbreite an Parasiten, die Hautprobleme verursachen können ist groß. Flöhe, Läuse und verschiedenste Milben können unseren Vierbeinern Probleme machen. Während manche Parasiten durch den Kontakt mit anderen Vierbeinern übertragen werden, befinden sich andere, wie zum Beispiel die Demodexmilbe, schon von jungem Alter an auf Hunden und werden durch eine Immunsuppression verschiedenster Ursache klinisch relevant. Die klinischen Symptome variieren von alleinigem Juckreiz bis hin zu massiven Hautveränderungen, wie Rötungen und Krustenbildung. Je nach Parasit können auch unterschiedliche Hautareale befallen sein.

Oft lassen sich Parasiten schon durch das Kämmen des Fells diagnostizieren. Für Milben ist meist genaueres Suchen notwendig. Teilweise sitzen Milben in den Haarbälgen oder in tieferen Hautschichten weshalb das Anfertigen eines Hautgeschabsels notwendig sein kann, um sie zu diagnostizieren.

Eine antiparasitäre Therapie stellt oft den ersten Behandlungsschritt dar, da sie am wenigsten invasiv ist und zum Ausschluss einer solchen Diagnose dient.

Demodex unter dem Mikroskop

Bakterielle Erkrankungen:

In der Regel treffen wir bakterielle Infektionen der Haut nur dort an, wo prädisponierende Faktoren Vorarbeit leisten. Wir diagnostizieren sie oft in Verbindung mit Verletzungen, Insektenbisse, Allergien oder metabolischen Erkrankungen. Auch anatomische Gegebenheiten (Hautfalten, etc.) können prädisponierend für bakterielle Infektionen sein. Dann führen sie zu Entzündungen der Haut, die oberflächlich oder tief sein können. In der Regel ist das klinische Bild durch gerötete, haarlose (alopetische), nässende und krustig veränderte Hautareale gekennzeichnet. Auch Juckreiz wird meist beschrieben.

Mittels Abklatsch kann festgestellt werden welche Zellen und Mikroorganismen (Bakterien, Hefepilze) beteiligt sind. Ist das Problem chronisch oder wiederkehrend, kann es notwendig sein eine bakteriologische Untersuchung inklusive Antibiogramm einzusenden, um die korrekte Therapie zu gewährleisten.

Die Therapie variiert je nach Erscheinungsbild der Veränderung. In manchen Fällen ist eine lokale antibiotische Versorgung ausreichend, während in anderen Fällen eine systemische Therapie erforderlich ist. Auch stellt dies eine der wenigen Situationen dar, in denen der limitierte (!) Einsatz von Glukokortikoiden gerechtfertigt ist, um den Juckreiz zu lindern. Eine lokale Therapie mit reinigenden und desinfizierenden Stoffen ist indiziert.

Pilzerkrankungen:

Eine Pilzerkrankung steht fast immer auf unserer Liste der möglichen Erreger einer Hauterkrankung. Das klinische Bild ist sehr variabel. Es kann sich um runde, haarlose Stellen mit wenig Juckreiz handeln. Auch eine Verbreitung über den gesamten Körper und das Vorkommen von Juckreiz ist möglich. Wichtig ist auch immer mitzuteilen, dass Menschen oder Tiere im gleichen Haushalt auch Veränderungen aufweisen.

Um die Diagnose Pilz zu bestätigen stehen verschiedene diagnostische Mittel zur Verfügung. Zum einen kann mittels Wood Lampe (ultraviolettes Licht) so mancher Pilz zum Leuchten gebracht werden. Ist diese Untersuchung negativ, heißt es allerdings keineswegs, dass kein Pilz vorhanden ist. Andere minimalinvasive Untersuchungsmethoden sind die Pilzkultur, das Trichogramm (mikroskopische Beurteilung der Haarwurzel, – schäfte) und die Zytologie. In manchen Fällen kann die Diagnose erst mit einer Biopsieentnahme gestellt werden.

Je nachdem um welchen Pilz es sich handelt, ist auch die Therapie anzupassen. Während in manchen Fällen eine lokale Therapie ausreichend ist, bedürfen andere Gattungen oder massive Erscheinungsbilder einer systemischen Therapie.

Autoimmunerkrankungen:

Unter diese Erkrankungen fallen jene, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen oder Strukturen richtet. Je nach Erkrankung, können verschiedenste Zellen betroffen sein.

Beim Pemphigus-Komplex werden die Verbindungen zwischen den Zellen angegriffen. Hierdurch kommt es zu Defekten zwischen den Zellen und zur Ablösung derer, wodurch sich Bläschen auf der Haut bilden. Die Erkrankung kann ohne ersichtlichen Grund auftreten, durch Arzneimittel oder Sonneneinstrahlung getriggert werden. Klassische Symptome sind Bläschen, Erosionen und Krusten. Ein erster Hinweis auf diese Erkrankung kann die zytologische Beurteilung im Mikroskop sein. Gesichert werden kann diese Erkrankung allerdings nur durch eine histopathologische Untersuchung, dafür ist eine Biopsieentnahme erforderlich.

Lupus erythematodes ist eine weitere Erkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen das körpereigene Gewebe bildet. Typisch sind Veränderungen am Nasenspiegel, die durch UV-Licht schlechter werden. Es kommt zur Depigmentierung und Rötung des betroffenen Bereiches. Auch mukokutane Übergänge, das heißt von Schleimhaut und Haut, können betroffen sein. Auch hier ist eine Biopsie für die Diagnosestellung wichtig.

Die Therapie einer Autoimmunerkrankung ist meist lebenslang notwendig. Sollten umschriebene Hautbereiche betroffen sein, ist eine lokale Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten in Salbenformulierung in der Regel ausreichend. Bei schweren, generalisierten Formen muss eine systemische Therapie durchgeführt werden.

Ein ähnliches Hautbild kann auftreten, wenn eine Reaktion auf Arzneimittel erfolgt. Es kommt zu Bläschenbildung, Rötung und Ödemen. Sollte das Auftreten solcher Symptome mit der Verabreichung eines Medikamentes in Verbindung gebracht werden können, ist ein sofortiges Absetzen des Medikamentes induziert. Sollten die Veränderungen danach nicht verschwinden, kann eine Hautbiopsie andere Erkrankungen ausschließen.

Allergien:

Verschiedenste Allergien werden immer häufiger in der Veterinärmedizin. Neben Problemen mit Umweltallergenen konfrontieren uns auch immer öfter Futtermittelallergien. Während meist Probleme der Haut im Vordergrund stehen, können auch gastrointestinale Symptome (Erbrechen, Durchfall) damit einhergehen. Bitte lesen sie im Artikel Allergie bei Hund und Katze und Futtermittelallergie mehr darüber.

Otitis externa:

Darunter versteht man eine Entzündung des äußeren Gehörganges. Für diese Erkrankung sind verschiedene Ursachen bekannt. Während in manchen Fällen infektiöse Ursachen auslösend sind, können auch anatomische Gegebenheiten (enger Ohrkanal, hängende Ohren, etc.), Fremdkörper oder Neoplasien das Problem verursachen. Genauere Informationen erhalten Sie hier.

Tumorerkrankungen:

Das Wort Tumor beschreibt im eigentlichen Sinne nur eine Geschwulst, also eine Vermehrung von Gewebe. Umgangssprachlich verstehen wir unter Tumor bösartige Gewächse, die multiple Erscheinungsformen und Auswirkungen auf den Körper haben. Auch Hautveränderungen können neoplastischer Ursache sein.

Ein Plattenepithelkarzinom beginnt mit Rötungen und Erosionen, es kommt dann zu Ulzerationen und Krustenbildung. Beim Hund finden wir es in 2/3 der Fälle im Zehenbereich. Dies trifft auf die Katze nicht zu, hier sind oft die Ohren- und Augenumgebung betroffen. Oft erkranken weiße Katzen, da hier das Sonnenlicht durch einen geringen Pigmentierungsgrad zu Vorschädigungen führen kann. Die Diagnose wird durch eine Biopsie mit anschließender histopathologischer Untersuchung gestellt. Eine Therapie erfolgt dann durch chirurgische Entfernung der Veränderung mit nachfolgender Chemotherapie oder Bestrahlung. Ein genauer Therapieplan wird individuell für jeden Patienten erstellt, da dieser abhängig von vielen Faktoren ist.

Das epitheliotrope Lymphom ist eine neoplastische Entartung von T-Lymphozyten (Abwehrzellen im Körper). Die Symptome variieren: Rötung, Erosionen, Knoten, Ulzerationen, Krusten und Juckreiz können auftreten. Mit der mikroskopischen Untersuchung einer Abklatschprobe kann man Hinweise auf diese Erkrankung bekommen. Diagnostisch ist schlussendlich die Histopathologie. Leider ist dieser Tumor nicht behandelbar. Man kann die Symptome lindern, die Progression allerdings nicht stoppen.

Das kutane Histiozytom ist eine gutartige Neoplasie, die in vielen Fällen von selbst, ohne Therapie, verschwindet. Es handelt sich hierbei um Hautknoten, die gut abgegrenzt und derb sind. Es kann auch zu Ulzeration und Krustenbildung kommen. Wie schon oben angeführt, wird die eindeutige Diagnose mittels histologischer Untersuchung gestellt. Oft kann aber auch die Zytologie sehr hinweisend sein.

Bei allen Neoplasien der Haut erfolgt bei uns eine enge Zusammenarbeit zwischen Onkologie und Dermatologie, um das beste Resultat für unsere Patienten zu erzielen.

Quellen

  • Noli C, Scarampella F, Toma S (2014): Praktische Dermatologie bei Hund und Katze, Schlütersche, 3. Auflage.
  • Peters S (2016): Dermatologie-Atlas Katze, Enke, 1.Auflage.
  • Peters S, Koch HJ (2014): Dermatologie-Atlas Hund, Enke, 1.Auflage.