Tierklinik St. Pölten / Juckreiz beim Hund
Juckreiz beim Hund2020-04-03T12:23:44+00:00

Mag. Nicole Klausner

Allgemeinmedizin

Juckreiz beim Hund

Zusammenfassung

Juckreiz ist wohl eines der häufigsten Symptome, mir der uns Hunde vorgestellt werden. Zum einen liegt das an den immer öfter auftretenden Hauterkrankungen und zum anderen daran, dass Juckreiz ein sehr offensichtliches Problem mit einem großen Leidensdruck darstellt.

Ursache

Juckreiz kann viele zugrundeliegende Ursachen haben – grob können wir die Ursachen in solche infektiöser und nicht-infektiöser Natur einteilen:

Infektiöse Ursachen:

  • Ektoparasiten
  • Bakterielle Hautinfektionen
  • Malassezien (Hefepilze)
  • andere Pilzerkrankungen

Nicht-infektiöse Ursachen:

  • Allergien
    • Atopische Dermatitis
    • Futtermittelallergien
    • Flohspeichelallergie
  • Autoimmunerkrankungen
  • Tumore
    • Mastozytom
    • epitheliotropes Lymphom

Symptome

Die Symptome von Juckreiz sind in aller Regel selbsterklärend. Wir müssen nur daran denken, wie wir handeln, wenn eine Körperstelle juckt. Dementsprechend beobachten wir beim Hund das Kratzen und Benagen verschiedener Körperstellen. Dadurch kommt es zu haarlosen Hautarealen, zur Rötung, Krusten und durch bakterielle Besiedelung zu nässenden Stellen.

Ständiges Kopfschütteln kann ein Hinweis auf Juckreiz der Ohren sein. Was häufig zu beobachten ist, ist eine Braunverfärbung von weißem Fell durch den Speichel (vor allem im Pfotenbereich).

Wichtig ist zu unterscheiden ob es sich um normales Wohlfühlverhalten des Tieres handelt oder ob pathologischer Juckreiz vorliegt. Zum einen können wir das durch das Erscheinungsbild der Haut und zum anderen durch Beobachten der Tiere feststellen. Werden Tätigkeiten wie Fressen und ein Spaziergang zum Kratzen unterbrochen, handelt es sich eindeutig um schweren Juckreiz.

Diagnose

Der Vorbericht kann erste Hinweise auf die Ursache geben. Deshalb ist ein genaues Anamnesegespräch bei Hautproblemen von großer Bedeutung. Das Alter des Tieres, die Lokalisation des Juckreizes und Saisonalität können erste Ideen zum Auslöser geben. Auch der Kontakt mit anderen Hunden und Vorerkrankungen sind wichtig zu erwähnen. Werden regelmäßig Antiparasitika angewendet oder bekommt ihr Tier andere Medikamente? Leiden Mitmenschen oder im gleichen Haushalt lebende Tiere auch unter Symptomen?

Nach dem Anamnesegespräch wird der Hund gründlich untersucht und Proben der veränderten Hautareale genommen. Diese werden anschließend unter dem Mikroskop beurteilt. Genaueres zur Probennahme und den diagnostischen Schritten lesen Sie bitte hier.

Oft kann schon mit einfachen Mitteln die Diagnose gestellt werden, wenn es sich zum Beispiel um Ektoparasiten oder bakterielle Infektionen handelt. Zweiteres ist aber meist nur die Folge von schwerwiegenderen Grundursachen. Ist der Verdacht einer Futtermittelallergie im Raum, kann dieser durch eine Eliminationsdiät über 8-12 Wochen bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Häufig ist eine Hautbiopsie der veränderten Areale notwendig, um Autoimmunerkrankungen oder tumoröse Geschehen zu diagnostizieren.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Ein Befall mit Ektoparasiten (Flöhen, Läusen, Milben, etc.) muss mit dementsprechenden Medikamenten behandelt werden. Futtermittelallergien werden wie oben beschrieben mit einer geeigneten Diät behandelt (siehe Artikel Futtermittelallergie). Wurde mittels Biopsie eine Autoimmunerkrankung oder ein neoplastisches Geschehen diagnostiziert, muss die Therapie an die Grundursache angepasst werden.

Prophylaxe

Eine regelmäßige Ektoparasitenprophylaxe hilft dem Befall mit Flöhen, Läusen und allen anderen blinden Passagieren vorzubeugen.

Wurde eine Futtermittelallergie diagnostiziert muss konsequent das verordnete Futter gefüttert werden, um keine erneuten Rückfälle zuzulassen.

Autoimmunerkrankungen und Tumoren kann nicht vorgebeugt werden. Wurde eine solche Diagnose gestellt werden wir mit Ihnen alle Behandlungsmöglichkeiten und die prognostischen Aussichten genau besprechen.

Quellen

  • Noli C, Scarampella F, Toma S (2014): Praktische Dermatologie bei Hund und Katze, Schlütersche, 3. Auflage: 90-95.
  • Peters S (2016): Dermatologie-Atlas Katze, Enke, 1.Auflage.
  • Peters S, Koch HJ (2014): Dermatologie-Atlas Hund, Enke, 1.Auflage.