Tierklinik St. Pölten / Trikuspidaldysplasie
Trikuspidaldysplasie2020-04-07T18:29:54+00:00

Dr. Melanie Hutter

Kardiologie und Endokrinologie

Trikuspidaldysplasie (TD) und Ebsteinanomalie

Zusammenfassung

Als Trikuspidaldysplasie oder auch Trikuspidalklappendysplasie wird eine angeborene Missbildung der Trikuspidalklappe (sog. AV-Klappe) bezeichnet; also jene Klappe, die den rechten Vorhof von der rechten Herzkammer trennt.

Definition

Durch diese Anomalie ist ein vollständiger Schluss nicht möglich. Die Klappen sind dadurch undicht, sodass in weiterer Folge eine sogenannte Trikuspidalklappeninsuffizienz entsteht. Das heißt das Blut kann von der rechten Kammer zurück in den rechten Vorhof fließen. Eine besondere Form der TD ist die Ebsteinanomalie, bei der die Klappensegel Richtung Herzspitze verlagert sind.

Ursache

Als Ursache wird eine unvollständige Entwicklung der Endokardkissen, aus denen sich die Klappen bilden, vermutet. Prinzipiell kann aber jeder Anteil der AV-Klappen verändert sein, wobei meist die Septumnahe Klappe deformiert ist.

Betroffen sind vor allem großwüchsige Hunderassen, insbesondere alle Retrieverarten wie der Labrador Retriever.

Symptome

Die meisten Trikuspidaldysplasien sind hämodynamisch irrelevant, sodass betroffene Tiere keine Klinik oder Symptome zeigen. Bei einer stark deformierten Trikuspidalklappe entsteht eine hgr. Insuffizienz, sodass das Blut von der rechten Kammer zurück in den rechten Vorhof fließt. Aber selbst hochgradige Dysplasien werden oft über längere Zeit vom Herzen selbst kompensiert, bis die ersten Symptome zum Vorschein kommen. Sollte das Herz dies nicht mehr schaffen, spricht man von einer Dekompensation des Herzens oder einem kongestiven Herzversagen. Betroffene Tiere entwickeln aufgrund des Rückstaus einen Ascites (Bauchwassersucht) oder einen Pleuralerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb), was zu einer erschwerten Atmung, deutlicher Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche führt. Im Endstadium kann der Ascites im Form eines dicken, birnenförmigen Bauches für den Besitzer auffällig werden.

Manche Hunde können auch einen Lungenhochdruck (pulmonale Hypertension) entwickeln.

Diagnose

Den ersten Hinweis liefert die Auskultation. Je nach Schweregrad der TD kann beim Abhören ein unterschiedlich lautes Herzgeräusch (rechtsbetont) festgestellt werden.

Im Thoraxröntgen kann bei starken Defekten eine Vergrößerung der rechten Herzseite und ggf. eine verbreiterte untere Hohlvene gesehen werden.

Die endgültige Diagnose kann aber nur mittels Herzultraschall gestellt werden. In der Regel kann die deformierte Trikuspidalkappe und die damit verbundene Insuffizienz dargestellt werden. Der Farbdoppler Ultraschall zeigt den Rückfluss von der rechten Kammer in den rechten Vorhof. Eine Dilatation (Erweiterung) der rechten Kammer und des rechtes Vorhofs liegt bei hgr. TD bzw. TD im Endstadium vor.

Therapie

Asymptomatische Patienten benötigen in der Regel keine Therapie. Ein halbjährlicher – jährlicher Herzultraschall ist aber unerlässlich.

Zeigen Hunde bereits erste Symptome wie Leistungsinsuffizienz, ggf. Husten und ist eine Vergrößerung des Herzens (Volumenüberladung der rechten Herzseite) im Ultraschall sichtbar, kommen Herzmedikamente wie Pimobendan oder ACE-Hemmer zum Einsatz. Im Endstadium muss ggf. der Bauchhöhlen- und/oder Brusthöhlenerguss von außen punktiert werden. Diese Tiere benötigen zur bestehenden Herzmedikation auch eine Entwässerungstherapie.

Leichte TD haben eine gute Prognose und können jahrelang symptomfrei und beschwerdefrei leben. Hunde mit einer schweren TD haben eine deutlich reduzierte Lebensdauer mit 2-3 Jahren, trotz Medikation.

Quellen

  • Tierkardiologie LMU
  • Praxis der Kardiologie von Hund und Katze; Modler et al.
  • Praktikum der Hundeklinik; Niemand et al.