Tierklinik St. Pölten / Pyometra – eitrige Gebärmutterentzündung
Pyometra – eitrige Gebärmutterentzündung2020-01-22T09:13:18+00:00

Dr. Marlis Wiebogen-Wessely

Chirurgie und Orthopädie

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Pyometra – eitrige Gebärmutterentzündung

Zusammenfassung

Die Pyometra der Hündin ist eine eitrige Gebärmutterentzündung, die häufig als Notfall anzusehen ist. Es handelt sich um einen entzündlichen, degenerativen Prozess im Bereich der Gebärmutterschleimhaut, oft  sekundär durch Bakterien verursacht. Die Behandlung der Wahl ist eine Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter). Eine konservative Behandlung ist nicht empfohlen.

Ursache

Die Pyometra ist eine hormonell (durch Progesteron und Östrogene) beeinflusste, eitrige Entzündung der Gebärmutter. Hierbei kommt es zu einer eitrigen Flüssigkeitsansammlung in den Uterushörnern (Gebärmutterhörnern). Typischerweise entsteht eine Pyometra während des Metöstrus und später im Anöstrus.

Am häufigsten wird diese Erkrankung 4 Monate nach einer Läufigkeit diagnostiziert. Ein erhöhtes Risiko daran zu erkranken, tragen junge Hündinnen, die noch nie einen Wurf hatten und Hündinnen die über 4 Jahre alt sind.

Es handelt sich um einen degernerativen Prozess im Bereich der Gebärmutterschleimhaut. Sekundär sind häufig Bakterien verursachend für die eitrige Entzündung. Der mit Abstand am häufigsten festgestellte Keim ist Escherichia coli, mit bis zu 80%. Im schlechtesten Fall kann es auch zu einer hämatogenen oder lymphogenen Erregerausbreitung (Ausbreitung über die Blutbahnen oder Lymphsystem) kommen und folglich zur Sepsis (generalisierte Entzündung eines Organismus durch Eindringen von Erregern innen Blutkreislauf). Durch den hormonellen Einfluss von Progesteron kommt es leichter zu einer Keimvermehrung und zu einer erhöhten Infektbereitschaft, vor allem 6-8 Wochen nach der Läufigkeit.

Wenn der Muttermund offen ist kann der Besitzer mitunter dunkelbraunen – dunkelroten Ausfluss bemerken. Allerdings ist gerade im Metöstrus der Muttermund häufig geschlossen. Das birgt ein großes Risiko, denn stetig wird eitrig-muköse Flüssigkeit nachgebildet. Der Druck in den Uterushörnern steigt somit. Da das Gewebe der Uterushörner aber durch die Entzündung brüchig geworden ist und der Druck von Innen immer größer wird, kann es zur Ruptur kommen. Hier herrscht Lebensgefahr!

Symptome erkennen

Die Symptomatik einer Pyometra ist leider nicht immer eindeutig. Häufig werden Patienten dem Tierarzt mit vermindertem Allgemeinbefinden, Mattigkeit, vermehrter Wasseraufnahme, vermehrtem Harndrang und geringer Futteraufnahme bis hin zur Anorexie vorgestellt. Manchmal wird beobachtet, dass viel an der Anogenitalregion geleckt wird. Auch Fieber kann ein begleitendes Symptom sein. Durch das Auflecken des Ausflusses kann es auch zu Durchfall und Erbrechen kommen.

Wichtig für den Besitzer einer unkastrierten Hündin ist das genaue Verfolgen der Läufigkeit. Wenn es zu Unregelmäßigkeiten im Zyklus kommt, kann das alleine schon Hinweis auf eine Pyometra sein.

Diagnose

Für eine schnelle und korrekte Diagnose ist immer eine genaue Anamnese von Nöten. Jegliche Beobachtungen des Tierbesitzers können wichtig sein. Kleine Verhaltensänderungen sind oft bedeutsamer als man denkt.

In weiterer Folge sind eine Blutuntersuchung, eine vaginale Inspektion mit Entnahme eines Abstriches zur mikroskopischen und bakteriellen Untersuchung wichtig. Manchmal kann auch eine Röntgenuntersuchung hilfreich sein, vor allem wenn die Anamnese keine eindeutigen Hinweise liefert.

Das wichtigste diagnostische Mittel ist aber die Ultraschalldiagnostik des Abdomens. Nur damit kann man genau bestimmen wie weit fortgeschritten und wie stark ausgeprägt die Erkrankung ist. In der Regel sieht man einen vergrößerten, wulstartigen Uterus (Gebärmutter) mit papierdünner Wand und Flüssigkeitsfüllung.

Operation

Das Mittel der Wahl ist die Ovariohysterektomie – die „Notkastration“, bei der sowohl Eierstöcke als auch die gesamte Gebärmutter entfernt werden.

Dieser chirurgische Eingriff ist die schnellste, effektivste und sicherste Behandlungsmethode. Der Infektionsherd wird entfernt und somit kann sich der Patient rasch wieder erholen. Danach kann nie wieder eine Pyometra auftreten. Diese Operation kann lebensrettend sein. Noch vor dem chirurgischen Eingriff wird der Patient stabilisiert und vorbereitet. Dazu gehören eine adäquate Infusionstherapie, wenn nötig eine Schockbehandlung. Eine Schmerztherapie und das genaue Monitoring der Vitalparameter sind ebenso wichtig.

Die konservative (medikamentöse) Behandlung ist grundsätzlich möglich aber nicht empfohlen, da im nächsten Zyklus ein erhöhtes Risiko einer Pyometra besteht. Die konservative Methode ist eine Behandlung mit Antigestagenen. Sie stellt bei multimorbiden, alten Tieren mit erhöhtem Narkoserisiko eine Möglichkeit dar.

Prognose

Nach einer erfolgreich chirurgischen Therapie ist die Prognose gut. In der Regel erholen sich die Patienten schon nach wenigen Tagen. Nur bei einer Pyometra ohne Zyklusstörungen oder Eierstockerkrankungen kann eine konservative Therapie eine vorsichtig günstige Prognose haben.

Quellen