Tierklinik St. Pölten / Magendrehung Hund
Magendrehung Hund2019-07-25T10:01:34+00:00

DR. MARTIN RIEGLER

Chirurgie, Orthopädie und Neuro-Chirurgie

Magendrehung beim Hund: ein Notfall … Symptome rechtzeitig erkennen & Behandlung

Zusammenfassung

Eine Magendrehung stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar, sodass rasches Handeln überlebenswichtig ist. Bestimmte Rassen, meist große Rassen mit einem tiefen Brustkorb, neigen erheblich mehr zu einer Magendrehung. Konkrete Ursache kann meist nicht ausgemacht werden. So gut wie immer geht eine Aufgasung des Magens voran, gefolgt von einer Abdrehung des Magens folgt. Die Blutgefäße werden abgedreht, was zu einer relativ schnell eintretenden Kreislaufschwäche führt. Wenn die Diagnose gestellt wird, ist eine umgehende Operation nötig.

Ursache & Risikofaktoren

Eine Magendrehung ist ein absoluter Notfall und über . Nur wenige Stunden können zwischen Leben und Tod Ihres Hundes entscheiden. Denn wenn sich der Magen, der wie ein Beutel relativ locker zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm im Oberbauch hängt, um seine eigene Achse dreht, werden Blutgefäße sowie Mageneingang und Magenausgang abgeschnürt. Verdauungsgase können nicht mehr entweichen, und der Magen bläht sich auf wie ein Ballon. Blut aus dem Hinterleib gelangt nicht mehr zurück zum Herzen, und es kommt zum Kreislaufschock. Mit dem Magen drehen sich auch andere lebenswichtige Organe wie Milz, Bauchspeicheldrüse und die Eingeweide mit ein und können so langsam absterben. Ohne eine Notoperation verschlechtert sich der Zustand zusehends bis es zum Tod des Hundes kommt.

Auch wenn eine Magendrehung nur vermutet wird, sollten Sie ihn umgehend in die Klinik bringen. Denn falls sich der Verdacht im Röntgenbild bestätigt, sinken die Überlebenschancen des Tieres mit jeder Stunde. Weil Magendrehungen am häufigsten abends bemerkt werden, also auf keinen Fall bis zum nächsten Morgen warten. Wir führen die Operation zu jeder Tages- und Nachtzeit durch.

Risikofaktoren

Vor allem mittelgroße und große Hunde mit einem tiefen Brustkorb neigen zur Magendrehung, also Rassen wie Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Deutsche Dogge, Dobermann, Boxer oder Bernhardiner. Die Ursache für die Drehung des Magens ist bislang nicht geklärt. Häufiger wird berichtet, dass der Vierbeiner zuvor viel gefressen und dann gespielt hat. Aber auch bei nüchternen Hunden und solchen, die sich nach dem Fressen völlig ruhig verhalten haben, kann es zu einer Magendrehung kommen.

Ältere Hunde (ab fünf Jahren) sind eher gefährdet als junge, bei Riesenrassen steigt das Risiko bereits ab drei Jahren. Für verschiedene Hunderassen wurden rassenspezifische Statistiken erstellt: Demzufolge liegt das Risiko, pro Jahr eine Magendrehung zu bekommen, bei großen Rassen bei 2,3 % und bei Riesenrassen bei 2,6 %. Wenn diese Zahlen auf die gesamte Lebensdauer hochgerechnet werden, beträgt das Risiko z. B. beim Bloodhound oder der Dogge ca. 30 %, beigroßen Windhunden oder Collies 20 %, beim Irish Wolfhound 18 %, beim Neufundländer 8 %, beim Bernhardiner 6 % oder beim Rottweiler 4 %.

Symptome erkennen

Der Drehung geht erst eine zunehmende Aufgasung des Magens voraus. So beginnen die Symptome zunächst eher unspezifisch. Unruhe (ständiger Wechsel zw. Stehen, Gehen und Liegen) und ein aufgekrümmter Rücken können als erste Anzeichen auftreten. Der Hund versucht wiederholt zu erbrechen. Da die Speiseröhre am Mageneingang zugeschnürt ist, kommt jedoch nur Schaum hervor. Alles was aufgenommen wird dies bald wieder erbrochen. Zunehmend wird der Bauch dicker und angespannter. Auch der Allgemeinzustand verschlechtert sich, aufgrund einer zunehmenden Kreislaufschwäche. Die zu Beginn vorherschenden Symptome gehen sukzessive in Apathie und Schwäche über. Der Kreislauf wird so schlecht, dass die Schleimhäute Im weiteren Verlauf wird der Bauch zunehmend rundlicher und gespannter und hart wie eine Trommel. Schließlich verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Tieres immer mehr, Unruhe, Hecheln und Würgen gehen über in Apathie und Schwäche. Der schwache Kreislauf ist erkennbar an sehr blassen Schleimhäuten und einer Verlängerung der kapillären Füllungszeit. Im weiteren Verlauf geht die Kreislaufschwäche in einen Schockzustand über an welchem der Hund verstirbt.

Sollte ihr Hund folgende Symptome aufweisen, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen: zunehmende Unruhe, starker Speichelfluss, blasse Mundschleimhaut und unproduktives Erbrechen. Ein aufgeblähter Bauch ist zwar ein typisches Zeichen, aber im Frühstadium nicht immer eindeutig.

Diagnose

Die eindeutige Diagnose wird anhand eines Röntgenbildes gestellt. Ein großer gasgefüllter (in einigen Fällen auch mit Futter gefüllter) Magen, welcher in 2 Anteile kompartimentiert ist (Zipfelkappenform). Der Kreislauf ist zum Zeitpunkt der Vorstellung meist schon sehr schlecht, sodass blasse Schleimhäute, eine deutlich verlängerte Kappilarfüllungszeit und ein schwacher hüpfender Puls auffallend ist.

Abb. 1: hgr. aufgegaster kompartimentierter Magen mit typischer „Zipfelkappenform“

Abb. 2: Magendrehung, Magen mit Futter und Knochenfragmenten gefüllt

Notoperation

Nach der eindeutigen Diagnose durch ein Röntgenbild muss nach Stabilisierung eine Notoperation stattfinden. Vor der OP ist jedoch die Schockbekämpfung durch intravenöse Infusionen notwendig umd das Narkoserisiko soweit als möglich zu reduzieren. In dieser Zeit wird auch die Blutanalyse durchgeführt. Bei der OP wird der Bauch eröffnet und zuerst der Magen abgegast. Danach Kann der Magen meist ausgedreht und über einen Schlauch, welcher über die Speiseröhre eingeführt wird, gespült werden. Sofern ein Teil der Magenwand abgestorben ist, muss diese reseziert werden.  Ist die Milz durch die Abdrehung abgestorben, muss diese entfernt werden. Anschließend wird der Magen an der Bauchwand festgenäht (Gastropexie) um einer erneuten Magendrehung vorzubeugen.

Nach der OP

Nach der OP ist leider noch nicht alles überstanden. Durch die nach dem Ausdrehen frei werdenden Toxine kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Somit ist es notwendig den Patienten auch nach der OP noch gut zu überwachen. Am Tag nach der OP wird Futter verabreicht und viele Patienten können auch schon am Tag nach der OP entlassen werden. Sofern der Patient noch kritisch ist, ist ein stationärer Aufenthalt für einige Tage zu empfehlen, bis dieser sicher entlassen werden kann.

Prognose

Die Prognose bei einer frühzeitigen OP ist grundsätzlich gut. Sofern ein Teil des Magens abgestorben ist, können postoperativ eher Komplikationen auftreten, jedoch ist auch in diesen Fällen in der Regel von einem positiven Ausgang auszugehen. Bei schweren Herzryhmusstörungen ist eine intensive Therapie notwendig und in diesen Fällen ist die Prognose natürlich auch schlechter.

Prophylaxe

Zahlreiche Faktoren für das Entstehen einer Magendrehung sind angeführt. Generell wird empfohlen den Hund nach dem Fressen nicht Spielen und Herumspringen zu lassen. Doch auch bei völlig korrektem Handeln, kommt es bei vorbelasteten Rassen immer wieder zu Magendrehungen. Bei einigen Rassen z.B. Doggen wird mittlerweile einer prophylaktische Gastropexie (annähen des Magens an die Magenwand) empfohlen um eine Verdrehung des Magens zu verhindern.

Quellen

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