Harnsteine2020-05-05T12:06:41+00:00

Mag. Sarah Hofmeister

Allgemeinmedizin, innere Medizin

Harnsteine bei Hund und Katze

Zusammenfassung

Harnsteine bei Hunden und Katzen kommen häufiger vor als vom Tierbesitzer oft angenommen. Nicht immer sind Harnsteine mit einer Schmerzsymptomatik verbunden.  Erst wenn durch die Steine Entzündungen hervorgerufen werden, oder Blockaden, kann der Tierbesitzer eine deutliche Verhaltensänderung wahrnehmen. In manchen Fällen kann leider von einer Operation nicht abgesehen werden.

Ursachen

Harnsteine (Urolithen) können aus verschiedenen Gründen entstehen. Oft ist es das Zusammenspiel mehrerer Faktoren die dazu führen, dass sich Kristalle bilden.

Zum einen können Entzündungen der ableitenden Harnwege zur Kristallbildung führen. Der pH-Wert des Urins spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Menge an Harn, die produziert wird, ist nicht unbedeutend, denn wenn die Konzentration gewisser Mineralien im Harn zu hoch ist, werden ebenso Kristalle gebildet. Damit hängt indirekt das Trinkverhalten zusammen. Je mehr das Tier trinkt, desto weniger konzentriert ist der Harn am Ende. Auch die Ernährung hat Einfluss auf die Zusammensetzung des Harns, welche Mineralien gehäuft vorkommen ist dadurch bedingt.

Da unterschiedliche Mineralien unterschiedliche Kristalle bilden, gibt es auch verschiedne Arten von Harnsteinen. Beispiel dafür sind Struvitsteine, Calciumoxalate, Urate und Cystinsteine.

Übergewicht per se erhöht das Risiko an Harnsteinen zu erkranken, sowohl bei Hunden als auch bei Katzen.

Beim Dalmatiner gibt es zusätzlich eine genetische Mutation die den Eiweißsstoffwechsel so beeinflusst, dass häufiger Uratsteine ausgebildet werden.

Symptome

Blutiger Harn und häufiges Harnpressen, wobei nur tröpfchenweise Harn abgesetzt wird sind Alarmzeichen, die einen Tierarztbesuch zur Folge haben sollten. Manchmal machen unsere Haustiere auch lautstarke Schmerzäußerungen beim Harnabsatz, vor allem dann, wenn Blockaden und starke Entzündungen Ursache sind. Die klassischen Anzeichen wie bei einem Harnwegsinfekt können genauso die Anzeichen für Harnsteine sein, denn oft treten beide Erkrankungen in Kombination auf.

Diagnose

Beim Tierarzt wird zu allererst eine gesamte klinische Untersuchung mit ausführlicher Anamnese gemacht. Erst danach folgen weitere diagnostische Schritte.

Einerseits kann frisch abgesetzter Harn mit zur Untersuchung gebracht werden, andererseits ist dieser Harn für bakteriologische Untersuchungen nicht geeignet. Der Harn wird auf pH-Wert, Eiweiß, Blutkörperchen, Entzündungszellen und vieles mehr untersucht. Damit erhält man erste Anzeichen, ob eine Entzündung im Gange ist. Weiters wird der Harn abzentrifugiert und das gewonnene Sediment mikroskopisch unter die Lupe genommen. Hierbei kann man Kristalle, wenn vorhanden, finden.

Sollte es nicht möglich sein, den Harn des Haustieres zu sammeln, ist das auch kein Problem, denn zu einer standardmäßigen Untersuchung bei Verdacht auf Blasenentzündung und/oder Konkrementbildung gehört eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane mit dazu. In diesem Zusammenhang kann einfach und schnell eine Zystozentese (Punktion der Harnblase, um Harn zu gewinnen) gemacht werden. Der so gewonnene Harn ist steril und kann somit für eine bakteriologische Untersuchung herangezogen werden.

Manchmal kann auch eine Röntgenuntersuchung sinnvoll sein, da sehr große Harnsteine unter Umständen nicht im Ultraschall darstellbar sind.

Kontrastmitteluntersuchungen (Zystographie) können ebenfalls hilfreich sein, werden aber seltener verwendet.

Auch immer wichtig sind Blutuntersuchungen um mögliche Entzündungsgeschehen und Urämie (Harnvergiftung) festzustellen.

Therapie

Handelt es sich um eine Blockade der abführenden Harnwege, wie sie beim Kater häufig vorkommt, muss diese durch das Setzen eines Harnkatheters schleunig behoben werden. Hierbei handelt es sich um einen Notfall!

Im Anschluss an diesen Vorgang kommt eine Blasenspülung, um so viel Harnkristalle als möglich aus der Harnblase zu entfernen. Es folgt eine konservative Therapie. In den meisten Fällen kann man mit einer medikamentellen Therapie und Anpassung der Fütterung, sowie der Lebensumstände helfen. Medikamentell versorgt man den Patienten primär mit Entzündungshemmern. Einerseits nimmt das den Schmerz, andererseits hilft es der empfindlichen Blasenschleimhaut zur Regeneration. Die Futterumstellung ist bei Harnsteinerkrankungen das um und auf der Behandlung, denn vielfach kann man so eine Neubildung an Steinen verhindern und die Steine „auflösen“. Ebenso regt das spezielle Futter die Wasseraufnahme der Tiere an, wodurch es zu einem häufigeren Harnabsatz kommt. Das heißt die Blase wird öfter durchgespült. Harn verweilt nicht mehr lange genug in der Blase, damit es zur Kristallbildung kommen kann.

Leider gibt es auch Harnsteine, die nicht auflösbar sind, bzw die aus einer genetischen Prädisposition heraus ihren Ursprung haben. Bei diesen Patienten ist die Behandlung oft schwieriger. Eine Behandlung mit Futterumstellung reicht selten aus, es kommt immer wieder zu Rezidiven und unter Umständen sind chirurgische Eingriffe notwendig um langfristig eine Lösung zu finden.

In besonders hartnäckigen Fällen kommt es häufig dazu, dass vor allem bei männlichen Tieren (aufgrund der engen Harnröhrenwindung im Penis) immer wieder Verstopfungen der Harnröhre auftreten. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann Folgeschäden mit sich bringen. Daher wählt man in solchen Fällen eine Urethrostomie (Penisamputation) um die Öffnung der Harnröhre zu weiten.

Es kann vor allem bei kleinen Hunderassen vorkommen, dass Harnblasensteine lange keine Probleme machen, bis ein sehr großer Stein die Harnblase fast ausfüllt und ein Harnabsetzen fast nicht mehr möglich macht. In solchen Fällen muss durch eine Operation, sowohl Bauchhöhle als auch Harnblase eröffnet werden um den Stein zu entfernen. Auch danach ist eine medikamentelle Therapie in Kombination mit Futteranpassung zwingend notwendig.

Eine antibiotische Therapie ist ausschließlich dann indiziert, wenn auch Bakterien tatsächlich nachweisbar sind.

Prophylaxe

Am wichtigsten ist es für den Besitzer, vor allem von Katzen, das Trinkverhalten positiv zu stimulieren. Dazu gehört es mehrere Wasserstellen anzubieten und diese immer von der Futterstelle zu trennen. Trinkbrunnen für Katzen bieten sich hierbei zusätzlich sehr gut an. Bei Hunden besteht eher seltener das Problem des zu wenig Trinkens.

Womit sowohl Hunde als auch Katzen leider viel zu oft gleichermaßen betroffen sind, ist Übergewicht. Übergewicht ist einer der Hauptgründe für Harnsteine!! Zum einen kommt es durch übermäßiges Fressen zu einem Mehraufkommen an Mineralien, die zu Kristallen werden können. Zum anderen sind diese Tiere durch ihr Übergewicht auch dazu prädisponiert sich weniger zu bewegen. Weniger Bewegung führt zu weniger Wasseraufnahme, was wiederum den Mineralienanteil im Harn negativ beeinflusst, da der Harn zu stark konzentriert bleibt und zusätzlich weniger Urinmenge produziert wird. Die Harnblase wird somit auch seltener entleert/gespült. Kleine Kristalle lagern sich ab und haben mehr Zeit zu größeren Konkrement zu verklumpen, die wiederum eine Blockade hervorrufen können, was zum Notfall wird!

Das bedeutet für den Tierbesitzer einerseits die Bewegung des Tieres zu fördern, sei es beim Spielen mit den Wohnungskatzen, Freigang für Katzen zu ermöglichen oder der regelmäßige Spazierengang mit dem Hund. Andererseits ist eine gut abgestimmte Ernährung wichtig. Das bedeutet, dass vor allem die Menge an angebotenem Futter nicht den Tagesbedarf des Tieres überschreiten soll.

Quellen