FIP Katze2019-07-25T09:51:33+00:00

Mag. Nicole Klausner

Allgemeinmedizin

FIP bei der Katze

Zusammenfassung

Bei der felinen infektiösen Peritonitis (FIP) handelt es sich um eine Viruserkrankung bei Katzen, welche durch den felinen Coronavirus verursacht wird. Sofern die Erkrankung mit dem typischen Bild einer Peritonitis ausbricht endet die Erkrankung meist tödlich. Es gibt allerdings auch Verlaufsformen, welche mit harmloseren und unspezifischen Symptomen einhergehen.

Ursache

Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine Infektionskrankheit, die durch feline Coronaviren verursacht wird. Eine Mutation dieser Viren bestimmt den Ausbruch der FIP – ist eine Katze also Träger von Coronaviren (bis zu 90 % der Katzenpopulation), heißt dies noch nicht, dass sie auch an FIP erkranken muss. Die Zahl der Coronavirenträger, die an FIP erkranken variiert je nach Publikation zwischen 5 und 10 %.

Übertragung und Krankheitsverlauf

Nicht das mutierte Virus, sondern die enteralen Coronaviren werden übertragen, diese verursachen per se Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Durchfall, Fieber). Trägerkatzen scheiden sie mit dem Kot aus und diese werden dann über den Nasen-Rachen-Raum von anderen Tieren aufgenommen.

Katzen in Mehrkatzen-Haushalten sind eher dem Risiko ausgesetzt das mutierte Coronavirus in sich zu tragen, zum einen liegt dies an den vermehrt vorkommenden unterschiedlichen Virusvarianten und zum anderen daran, dass Stress (zB. Revierkämpfe) zu einer Immunsuppression und somit eher zum Ausbruch der FIP führt. Eine gleichzeitig bestehende FelV- Infektion (felines Leukämie-Virus) kann durch die damit einhergehende Immunsuppression einen FIP-Ausbruch begünstigen.

Prinzipiell können Katzen aller Altersstufen erkranken, prädisponiert sind allerdings 6-24 Monate alte und 14-15 Jahre alte Tiere.

Wir unterscheiden zwei Formen der Erkrankung – welche davon ausbricht oder überwiegt, ist abhängig von der Immunantwort der Katze. Die feuchte Form entsteht dadurch, dass sich Immunkomplexe (entstehen durch die Reaktion des Körpers auf das Virus) in den Blutgefäßen ansiedeln und zu einer Entzündung (Vaskulitis) führen. Dadurch kommt es zu einer Schädigung der Gefäße und somit zum Austritt von Blutbestandteile.

Die trockene Form ist gekennzeichnet durch die Bildung von Granulomen in Organen der Bauchhöhle, der Lunge, den Augen oder im Gehirn.

Symptome

Das klinische Bild variiert stark. Fieber unbekannter Genese, Konjunktivitis, Probleme des Atmungstraktes und Durchfall können auftreten.

Die feuchte Form zeigt sich durch Flüssigkeitsansammlungen im Bauch (Aszites) und eventuell im Brustkorb. Damit einhergehend verschlechtert sich das Allgemeinbefinden, es kommt zu Inappetenz und Gewichtsverlust.

Die trockene Form lässt sich oft schlechter erkennen, da die Krankheitszeichen noch unspezifischer sein können. Chronisches Fieber und das Versagen von Organen sind möglich. Ist das Gehirn betroffen zeigen die Katzen zentralnervöse Symptome (Inkoordination, Schwäche, Ataxie, Krämpfe).

Diagnose

Eine FIP-Erkrankung zu diagnostizieren ist nicht einfach. Es ist ein Zusammenspiel basierend auf der Krankengeschichte, dem klinischen Bild und Labortests.

Finden sich Flüssigkeitsansammlungen in den Körperhöhlen, sind diese fadenziehend, bernsteinfarben, zellarm aber proteinreich.

Im Blut können folgende Parameter Hinweise geben: Anämie (Blutarmut), Lymphopenie, erhöhter Bilirubinwert und ein niedriger Albumin-Globulin-Quotient. Ein Nachweis von Coronaviren im Blut ist kein alleiniger Beweis für das Vorliegen einer FIP! Auch neueste Nachweisverfahren können nicht zwischen enteralen Coronaviren und mutierten Coronaviren unterscheiden. Bei neurologischen Symptomen kann die Entnahme und Untersuchung von Liquor cerebrospinalis (Gehirnflüssigkeit) hilfreich sein.

Therapie

Leider gibt es keine wirksame Therapie gegen die feline infektiöse Peritonitis.

Mit einer symptomatischen Therapie, bestehend aus Entzündungshemmern und Immunsuppressiva, können wir zwar in einzelnen Fällen Zeit gewinnen, die betroffene Katze aber leider nicht heilen. Ob eine symptomatische Therapie Sinn macht, muss vom Allgemeinbefinden des Tieres und der damit einhergehenden Lebensqualität abhängig gemacht werden.

Prophylaxe

Es ist ein intranasaler Impfstoff erhältlich, der auf einer lokalen Immunität beruht. So soll das Virus daran gehindert werden über die Schleimhäute des oberen Atmungstraktes einzudringen. Wie lange diese Immunität hält ist leider nicht bekannt. Weiters macht eine Impfung nur dann Sinn, wenn die Katze nicht bereits Träger von Coronaviren ist.

Eine Senkung des Infektionsdruckes kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Haltung in Kleingruppen von 2-3 Tieren
  • stressarme Gestaltung
  • mehrere Katzentoiletten, schnelle Entfernung des Kots

Ist im Haushalt eine Katze an FIP gestorben, empfiehlt sich eine gründliche Reinigung und es sollten 3 Monate vor der Neuanschaffung eines Tieres vergehen.

Quellen

  • Merck & CO, Merial Limited (2005): The Merck Veterinary Manual, 9te Auflage: 628-631.
  • Lutz H, Kohn B, Forterre F. (2014): Krankheiten der Katze, Enke bei Thieme, 5. Auflage: 351-358
  • Kipar A, Meli ML (2014): Feline Infectious Peritonitis: Still an Enigma? Veterinary Pathology 51(2): 505-526.
  • Pedersen NC (2014): An update on feline infectious peritonits: Virology and immunopathognesis. The Veterinary Journal 201: 123-132.
  • Addie D. et al. (2009): Feline infectious peritonitis. ABCD guidelines on prevention and management. Journal of Feline Medicine and Surgery 11(7): 594-604.