Tierklinik St. Pölten / Epilepsie bei Hund und Katze
Epilepsie bei Hund und Katze2020-04-30T15:40:30+00:00

Dr. Marlis Wiebogen-Wessely, Dipl. ECVS

Chirurgie und Orthopädie

Epilepsie bei Hund und Katze

Zusammenfassung

Bei Epilepsie spricht man von einem wiederholten Auftreten von Krampfanfällen. Circa ein bis zwei Prozent aller Hunde leiden unter Epilepsie.

Ursachen

Bei der Epilepsie handelt es sich um eine übermäßige Entladung in den Großhirnhälften, die häufig mit Ohnmacht einhergehen. Man unterscheidet zwischen einer primären und einer sekundären Epilepsie. Die primäre Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose, sodass keine spezifische Ursache gefunden werden kann. Diese Form kommt bei gewissen Rassen gehäuft vor, sodass eine erbliche Komponente eine Rolle spielt.  Bei der sekundären Epilepsie ist eine organische Ursache für die Anfälle verantwortlich. Diese können durch Infektionen, Hirnentzündungen, Organversagen, Traumata, Vergiftungen, Tumore, … verursacht werden.

Symptome erkennen

Anfälle können sowohl generalisiert (den ganzen Körper betreffend) oder fokal (Zuckungen bestimmter Körperregionen) auftreten. Ein generalisierter Anfall geht mit Bewusstseinsverlust und tonisch-klonischen Krämpfen einher. Dabei ist das Tier nicht ansprechbar und es tritt oft auch Speicheln, Urinabsatz oder auch Kotabsatz auf. Eine besonders schlimme Form von Anfällen ist ein Status epilepticus, bei welchem die Anfälle besonders lange dauern oder Serien von Anfällen auftreten. Oft zeigen Tiere Stunden vor dem Anfall eine Wesensveränderung.

Während einzelne Anfälle mit kurzer Dauer meist ungefährlich sind, können schwere und lang andauernde Anfälle lebensbedrohlich sein. Es kann beim Status epilepticus mit Anfällen, welche länger als 20 Minuten dauern, zu irreversiblen Hirnschäden kommen.

Diagnose

Ein ausführliches Vorgespräch bzw. Videos vom Anfall sind sehr hilfreich, um die Symptome richtig beurteilen zu können. Wichtig ist die Information, ob das Tier beim Anfall bei Bewusstsein ist.

Die primäre Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, dass andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, um diese Diagnose zu stellen. Zur Abgrenzung extrazerebraler Anfallsursachen (nicht vom Gehirn ausgehend) sind hämatologische, biochemische und kardiologische Untersuchungen angezeigt. Durch eine ausführliche neurologische Untersuchung können Hinweise auf eine Problematik im Kopf erhoben werden. Um intrakraniell Ursachen auszuschließen, sollte ein MRI oder ein CT vom Kopf durchgeführt werden. Sofern bei diesen Untersuchungen keine Diagnose gestellt werden kann, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine primäre Epilepsie.

Therapie

Die akute Therapie bei einem aktuell vorliegenden Anfallsgeschehen ist die Lösung der Krämpfe mit krampflösenden Mitteln, welche beim Tierarzt üblicherweise intravenös verabreicht werden. Die zusätzliche Intensivtherapie hängt von der Anfallsursache ab. Sofern eine Grundursache gefunden werden kann, gilt es diese zu lösen. Wenn ein ausreichend stabiler Zustand hergestellt ist, kann auf eine orale Therapie umgestellt werden.

Bei der idiopathischen Epilepsie ist häufig eine lebenslage antiepileptische Therapie notwendig. Ziel ist es dabei, die richtige Dosis zu ermitteln, welche einerseits Anfälle soweit als möglich verhindert, aber gleichzeitig ohne negative Nebenwirkungen ist. Kommen Anfälle nur selten oder in sehr leichter Form vor, kann unter umständen von einer Therapie abgesehen werden.

Quellen

  • Flegel T (2014): Therapie der Epilepsie beim Hund. Kleintier konkret 17(2): 21-29.
  • Bhatti S et al. (2016): Epilepsie aktuell – Zusammenfassung der IVETF-Empfehlungen zum „Therapeutischen Management der kaninen Epilepsie in Europa“ Kleintierpraxis 61, Heft 10 (2016), Seiten 529–544
  • Tipold A et al. (2015): Die Epilepsie des Hundes. Kleintierpraxis 60(4): 198-214.