Tierklinik St. Pölten / Blutdruckmessung bei Hund und Katze
Blutdruckmessung bei Hund und Katze2020-04-03T11:19:12+00:00

Dr. Melanie Hutter

Kardiologie und Endokrinologie

Blutdruckmessung bei Hund und Katze

Zusammenfassung

In der Praxis werden in der Regel die Dopplermethode, bei der man einen systolischen Wert erhält, oder die oszillometrische Messung, bei der der systolische, der diastolische und der Mittelwert angegeben werden, angewendet. Der systolische Wert liegt zwischen 100 und 140 mmHg, der diastolische zwischen 60 und 80 mmHg.

Gründe für eine Blutdruckmessung

In der Tiermedizin ist die Blutdruckmessung bei verschiedenen Erkrankungen wie zum Beispiel bei Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen oder hormonellen Erkrankungen sowie bei der Narkoseüberwachung von Bedeutung. Veränderungen des Blutdrucks im Sinne einer Hypertonie (erhöhte Blutdruckwerte) oder einer Hypotonie (erniedrigte Blutdruckwerte) können zu erheblichen und dauerhaften Schäden dem Gehirn, den Augen, dem Herzen und den Nieren führen.

Physiologische Werte

Beim Tier werden wie beim Menschen zwei Werte gemessen, der diastolische und der systolische Blutdruck. Der Systolische ist der Spitzenwert und der Diastolische der Niedrigste, zwischen denen der Blutdruck im Zuge eines Herzschlags schwankt. Beim gesunden Tier liegt der systolische Blutdruck wie beim Menschenzwischen 100 und 140 mmHg, der diastolische liegt bei 60 bis 80 mmHg. Dabei muss aber immer beachtet werden, dass die Aufregung, die das Tier bei einem Tierarztbesuch verspürt, den Blutdruck auch physiologisch auf 160 mmHg treiben kann, was auch als „white coat effect“ bezeichnet wird.

Methoden

Für die Blutdruckmessung gibt es invasive und nicht-invasive Methoden.

Bei der invasiven Methode wird der arterielle Blutdruck mittels eines Katheters in der Arterie gemessen. Diese Methode ist der Gold-Standard. Aber die nicht-invasiven Methoden sind um einiges stressfreier für das Tier und die Messungen reichen aus, um sich ein Bild über die Werte zu machen. Dabei wird noch einmal zwischen zwei Arten unterschieden, nämlich der oszillometrischen Messung und der Dopplermethode.

Bei diesen beiden Methoden wird eine aufblasbare Manschette um eine Gliedmaße oder um den Schwanzansatz gelegt. Die Breite der Manschette sollte so gewählt sein, dass sie zirka 30-40 Prozent des Umfanges von Schwanz oder Gliedmaße beträgt. Diese wird mit einem Klettverschluss eng anliegend verschlossen. Bei einer zu breiten Manschette, wird der Blutdruck falsch zu niedrig gemessen, bei einer zu schmalen Manschette wird er falsch erhöht gemessen. Um ein sinnvolles Monitoring zu ermöglichen, empfiehlt es sich, die Lokalisation der Manschette sowie ihre Breite bei allen Messungen gleich zu wählen. Messungen an unterschiedlichen Positionen liefern unterschiedliche Ergebnisse.

Bei der oszillometrischen Messung bläst das Messgerät die Manschette zuerst maximal auf. Dabei ist der Druck deutlich höher als der systolische Blutdruck. Dann wird der Druck langsam vermindert, wobei das Gerät drei unterschiedliche Werte ermittelt, nämlich den systolischen, den diastolischen und den mittleren Blutdruck. Bei dieser Messung ist die Manschette direkt über einen Gummischlauch mit dem Messgerät verbunden.

Bei der Dopplermethode ist die Manschette über einen Gummischlauch mit einem Manometer oder Druckballon verbunden. Für die Messung wird eine Dopplersonde auf ein arterielles Gefäß gehalten. Um guten Kontakt zwischen Haut und Sonde herzustellen, wird diese Stelle rasiert sowie ein Gel auf die Haut aufgetragen. Bei der Messung werden Kopfhörer verwendet, um Tiere durch das akustische Signal nicht zu verängstigen. Dann wird die Manschette aufgeblasen, bis das Dopplersignal nicht mehr zu hören ist. Anschließend wird der Druck langsam verringert, bis das Dopplersignal wieder hörbar ist. Zu diesem Zeitpunkt wird am Manometer der Druck abgelesen. Für eine korrekte Blutdruckmessung wird die erste Messung verworfen, dann werden fünf bis sieben weitere vorgenommen. Der Mittelwert der Ergebnisse wird als systolischer Blutdruck angegeben.

Quellen

  • Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze. Vom Leitsymptom zur Diagnose. Enke Verlag: Stuttgart; Neiger, Reto.
  • Praxis der Kardiologie von Hund und Katze; Modler et al.