Tierklinik St. Pölten / Blasenentzündung
Blasenentzündung2019-11-04T21:34:50+00:00

Mag. Sarah Hofmeister

Allgemeinmedizin, innere Medizin

Blasenentzündung bei Hund und Katze

Zusammenfassung

Eine Blasenentzündung, auch Zystitis bezeichnet, ist eine oft schmerzhafte, entzündliche Erkrankung, die selten die Harnblase alleine, sondern auch die Harnröhre betrifft. Aus diesem Grund spricht man häufig von einer Harnwegsinfektion. Blasenentzündungen, so unterschiedlich die Ursachen auch sein können, sind immer schmerzhaft. Sowohl Hunde als auch Katzen können daran erkranken. Wichtig ist ein rasches Erkennen der Symptome sowie eine schnelle Diagnosenstellung. Mit der richtigen Therapie haben Harnwegsinfekte unserer lieben Vierbeiner aber eine gute Heilungschance und Prognose. Mit dem Beachten einiger weniger prophylaktischer Maßnahmen (auch Hausmitteln) kann man sie auch gut verhindern.

Ursachen

Hervorgerufen wird eine Zystitis bei Hund und Katze durch mehrere Faktoren. Hierbei spielen besonders Bakterien eine große Rolle. Diese sitzen häufig auf der Haut in der Nähe der Genitalen und können so über die Harnröhrein die Harnblase gelangen. Weibliche Tiere sind davon häufiger betroffen als männliche. Weitere, aber seltenere infektiöse Auslöser für eine Blasenentzündung können Pilze, Parasiten oder Viren sein. Auch nicht infektiöse Ursachen können zu einer Zystitis führen. Hierzu zählen beispielsweise Blasensteine, Stress (FIC = feline interstitielle/idiopatische Cystitis)oder Strukturveränderungen der Harnblase oder Harnröhre.

Zu den begünstigenden Entstehungsfaktoren der Zystitis bei Hund und Katze zählen beispielsweise Nässe und Kälte. Auch Übergewicht in Kombination mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung können eine Blasenentzündung fördern. Ein zu hoher Magnesiumgehalt im Futter oder ganztägig zugängliches Futterangebot, was Einfluss auf den pH-Wert des Urins hat, sind hier ein Beispiel. Stress ist ein oft unterschätzter auslösender Faktor, wie etwa Langeweile, Disharmonien, Veränderungen im Alltag oder Konflikte. Auch ein nicht ausreichend entwickeltes Immunsystem bei Jungtieren oder ein zu schwaches Immunsystem bei älteren oder chronisch kranken Tieren können ein begünstigender Einflussfaktor sein. Fehlende Hygiene bei Magen-Darmerkrankungen oder unzureichend Wasseraufnahmesollten auch nicht außer Acht gelassen werden.

Symptome einer Blasenentzündung als Tierbesitzer erkennen

Zum wahrscheinlich häufigsten Symptomzähltdas vermehrte Absetzen von Harn (Polyurie).Die jeweils abgesetzten Harnmengen sind dabei oft geringerals sonst. Teilweise verlieren sieden Harnnur tröpfchenweise. Auch blutigePfützenkönnen manchmal aufgefunden werden. Oft pressen die Tiere beim Harnabsatzund habendabei sichtliche Schmerzen(Strangurie). Manche Tiere werden auch „unrein“ und setzen Harn auch an Stellen im Haus ab, was sie sonst nie tun.

Diagnose

Ein oft unterschätzter, aber wichtiger Teil der Diagnosefindung, ist die Anamnese – die genaue Erzählung und Beschreibung des Besitzers der Symptome des geliebten Haustieres. Als nächster Schritt kommt eine gründliche klinische Untersuchung. Eine Blutuntersuchung ist ebenso meist sinnvoll. Einerseits um Entzündungswerte im Blut zu kontrollieren, andererseits, um Verdachtsdiagnosen zu untermauern und Differenzialdiagnosen auszuschließen. Deshalb werden bei Verdacht auf Zystitis oft die Nierenwerte, wie Kreatinin und Harnstoff und das sogenannte Kreatinin-Harnstoff-Verhältnis bestimmt.

Mitgebrachte frische Harnproben können oft hilfreich sein, um weiterführende Untersuchungen anzuschließen. Hierzu zählen beispielsweise eine qualitative Harnuntersuchung (Farbe, Geruch, Klarheit) oder ein Harnstreifentest ( pH-Wert, Protein, Glucose, Nitrit, Blutzellen). Auch eine zytologisch/ mikroskopische Untersuchung inklusive Sedimentbestimmung (um Zellen zu bestimmen, Bakterien oder Kristalle zu sehen) oder Untersuchung der Dichte des Harns können wichtige Hinweise liefern. Röntgen- oder Ultraschalluntesuchungen sollten in Betracht gezogen werden. Im Zuge dieser kann man eine Punktion der Harnblase durchgeführen, um sterilen Harn für eine bakteriologische Untersuchung und Antibiogramm zu gewinnen.

Therapie

Je nach diagnostiziertem Auslöser der Blasenentzündung muss individuell behandelt werden, um einen Therapieerfolg zu erlangen. Diese ist dann antibakteriell, antimykotisch, antiparasitär, chirurgisch oder auf psychischer Ebene. Eine entzündungshemmende und somit symptomatische Therapie ist jedoch immer angeraten, um auch eine Schmerzlinderung zu erzielen, bis die kurative Therapie erfolgreich ist. Blasenentzündungen bei Hund und Katze sind in der Regel gut therapiebar und haben eine gute Prognose. Wichtig ist, dass bei bakteriellen Zystitiden immer eine antibiotische Behandlung nach Antibiogramm erfolgt.

Wenn Harnsteine Ursache der Blasenentzündung sind, muss diese manchmal operativ behandelt werden. Weiters ist eine langzeitige Futterumstellung, je nach Art der Harnsteine, unumgänglich. Es ist wichtig, eine Neubildung der gefährlichen Steine zu verhindern. Andernfalls läuft man Gefahr, eine erneute Erkrankung zu riskieren.

Eine Form der Blasenentzündung tritt bei Katzen leider immer häufiger auf, deren Behandlung größere Probleme verursacht, als bei herkömmlichen Entzündungen – die feline interstitielle Cystitis, kurz FIC. Neurobiologisch funktionieren Katzen mit FIC anders als gesunde Katzen. Sie haben eine direkte Verbindung zwischen Blase und Psyche. Genetische Faktoren können dafür ursächlich sein. Aber auch sehr frühe Einflüsse auf die Stressachse während ihrer Entwicklung können Anlass für eine FIC sein. Deshalb gehört zur medizinischen Therapie in diesem Fall auch das Stressmanagement!

Prophylaxe

Im Grunde ergibt sich die Liste der Prophylaxe aus der Liste der begünstigenden Faktoren, beziehungsweise aus ihrem jeweiligen Gegenteil. Fazit ist, mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichender Bewegung, genügend Flüssigkeitsangebot und Hygiene sollte in den meisten Fällen ein Vorbeugen gelungen sein. Zusätzlich können auch Hausmittel wie Blasentees, Cranberries, D-Mannose verwendet werden.

Quellen

  • Lutz H, Kohn B, Forterre F. (2019): Krankheiten der Katze, Enke bei Thieme, 6. Auflage: 745 – 747 und 773 – 781
  • Kohn B, Schwarz G. (2017): Praktikum der Hundeklinik, Enke bei Thieme, 12. Auflage: 861 – 871 und 891 – 906
  • Schroll S (2009): Kleintier Konkret, Zystitis, Kolitis, Alopezie und Adipositas – Gibt es psychosomatische Erkrankungen bei der Katze?,Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart, 12(02): 12 – 16
  • Joseph W. Bartges and Amanda J. Callens, Congenital Diseases of the Lower Urinary Tract, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 10.1016/j.cvsm.2015.02.004, 45, 4, (703-719), (2015).
  • Sarah Caney et al.: Idiopathische Zystits der Katze. In: Vet. Focus, Sonderausgabe „Behandlung von Harnwegserkrankungen“, Mai 2014, S. 18–25.