Tierklinik St. Pölten / ACP Therapie – Autologes conditioniertes Plasma
ACP Therapie – Autologes conditioniertes Plasma2020-03-26T00:00:12+00:00

ACP Therapie – Autologes conditioniertes Plasma

Zusammenfassung

Die Behandlung mit ACP wird in der Humanmedizin schon seit mehr als 10 Jahren mit großem Erfolg zur Therapie von orthopädischen Erkrankungen eingesetzt. Auch in der Veterinärmedizin – vor allem im Bereich der Pferde- und Kleintiermedizin – erfreut sich diese Therapieform immer größerer Beliebtheit.

Heilungsprozesse nach orthopädischen Verletzungen

Die Heilung nach einer Verletzung besteht aus einer Reihe gut abgestimmter und komplexer Prozesse. Hierbei spielen Proteine (d.h. Eiweiße) im Blut eine entscheidende Rolle, denn sie fördern die effektive Gewebereparatur. Eine Vielzahl der Proteine, die am Heilungsprozess beteiligt sind, stammen aus bestimmten Blutbestandteilen, den sogenannten Thrombozyten bzw. Blutplättchen.

Wenn es zu einer Verletzung kommt, werden die Thrombozyten aktiviert und sie beginnen, sich an der verletzten Stelle zu sammeln, um heilungsfördernde Proteine auszuschütten. Diese Proteine nennt man Wachstumsfaktoren. Das ist der erste Schritt im Heilungsprozess.

Auf dieser Erkenntnis beruht die ACP-Therapie, die mit einer hohen Konzentration an Wachstumsfaktoren die körpereigene Heilung unterstützt.

Was ist Autologes conditioniertes Plasma?

Autologes conditioniertes Plasma ist ein Blutprodukt, bei dem das körpereigene Plasma des Patienten abgetrennt wird. Durch eine spezielle Zentrifuge werden im Blutplasma enthaltene Thrombozyten und regenerative Wachstumsfaktoren getrennt und konzentriert.

Durch die Aufbereitung des Blutes erhält man Plasma mit einer 2-3 fachen Thrombozytenkonzentration. Die Thrombozyten werden außerhalb der Blutbahn aktiviert und setzen Proteine, wie zum Beispiel Wachstumsfaktoren, frei. Wachstumsfaktoren wirken durch die Differenzierung von verschiedenen Zelltypen, einer verbesserten Kollagenproduktion sowie der Stimulation der Angiogenese.

Neuere Studien belegen einwandfrei, dass dadurch die Regeneration des Gewebes beschleunigt und Schmerzen gelindert werden können. Durch das ACP Verfahren steht uns somit eine Alternative zu den herkömmlichen Therapien zu Verfügung. Da auf körpereigene Substanzen zurückgegriffen wird kann in vielen Fällen auf den Einsatz von Kortison oder Hyaluronsäure verzichtet werden.

Welche klinischen und chirurgischen Anwendungen gibt es?

Bei den meisten Verletzungen des Bewegungsapparates kann die Heilung durch ACP unterstützt werden. Hierzu zählen Risse, Defekte, Abnutzung und Entzündungen in Muskeln, Sehnen und Bändern. Außerdem kann ACP eine Ergänzung bei der chirurgischen Reparatur dieser Verletzungen sein.

Bei Hunden und Katzen kommt es häufig zu Wunden, die aus unterschiedlichen Gründen schlecht verheilen. Hier liefert ACP Wachstumsfaktoren, die die Heilung von solch komplizierten Wunden fördern.

ACP und Osteoarthrose

Schmerz bei Osteoarthrose äußert sich zumeist als stumpfer, nicht gut lokalisierbarer und schlecht vorhersehbarer Schmerz.

Ziel jeglicher Osteoarthrose Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die Funktion der Gliedmaßen zu verbessern und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhöhen. Übliche konventionelle nicht-chirurgischeBehandlungsoptionen umfassen neben Physiotherapie & Gewichtsreduktion die Verabreichung von nicht-steroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln sowie polysulfatierten Glykosaminoglykanen. Wirksamkeit und Wirkdauer dieser herkömmlichen Behandlungsmethoden sind jedoch begrenzt und können mit Nebenwirkungen verbunden sein.

Bei der Behandlung von Osteoarthrose hat ACP nachweislich einen besonders positiven Effekt auf Schmerzlinderung und Funktionalität.

Ablauf der ACP-Therapie

Die ACP-Therapie findet ambulant statt – das heißt ihr Liebling darf bereits nach etwa einer Stunde die Klinik wieder verlassen.

Mit Hilfe einer Doppelkammer-Spritze wird unter sterilen Bedingungen und unter Sedierung eine geringe Menge Blut aus der Jugularvene entnommen. Dieses wird mittels spezieller Zentrifuge verarbeitet. Das extrahierte Blutplasma enthält nun angereicherte regenerative, arthrose- und entzündungshemmende Bestandteile und kann in die betroffenen Körperregionen injiziert werden. Um einen möglichst nachhaltigen Effekt zu erzielen wird eine dreimalige Anwendung innerhalb von 7-10 Tagen empfohlen.

Quellen

  • Johnston & Tobias Veterinary surgery small animal second edition, 2018
  • SE Kim, A Pozzi, J Yeh, et al.: Intra-articular umbilical cord derived mesenchymal stem cell therapy for chronic elbow osteoarthrosis in dogs: a double-blinded, placebo-controlled clinical trial. Front. Vet. Sci. 6:474.doi: 10.3389/fvets.2019.0047
  • BJ Carr, SO Jr Canapp, DR Mason, et al.: Canine platelet-rich plasma systems: a prospective analysis. Front Vet Sci. 2015;2:73. doi: 10.3389/fvets.2015.00073
  • M Stief, J Gottschalk, JC Ionita, et al.: Concentration of platelets and growth factors in canine autologous conditioned plasma. Vet Comp Orthop Traumatol. 2011;24:122-125. doi:10.3415/VCOT-10- 04-0064
  • SP Franklin, JL Cook:  Autologous conditioned plasma versus hyaluronan plus corticosteroid for chronic elbow osteoarthritis in dogs. Can Vet J. 2013;54:881-884.
  • https://www.arthrexvetsystems.com/de/vet-orthobiologie
  • Fotos von https://www.arthrexvetsystems.com/de/vet-orthobiologie