Tierklinik St. Pölten / Arthrose bei Katzen
Arthrose bei Katzen2019-10-12T14:07:23+00:00

Mag. Sarah Hofmeister

Allgemeinmedizin, innere Medizin

Arthrose bei Katzen

Zusammenfassung

Die Arthrose (auch Osteoarthrose genannt) ist eine häufige Erkrankung bei älteren Katzen. Der Begriff Osteoarthrose bezeichnet einen Krankheitsprozess, der durch Degeneration des Gelenkknorpels, Knochenzubildungen an den Gelenkkapselrändern sowie Veränderungen der Synovialmembran charakterisiert ist. Eine Diagnosenstellung ist oft schwierig, da die Lahmheit nicht immer das Hauptsymptom ist, sondern Verhaltensänderungen im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund ist eine ausführliche Anamnese/ Besitzergespräch ein wesentlicher Faktor der Arthrosediagnostik.

Was ist eine Arthrose?

Der Begriff Arthrose bezeichnet einen langsam, aber kontinuierlich fortschreitenden Krankheitsprozess, der durch Degeneration des Gelenkknorpels, Knochenzubildungen an den Gelenkkapselrändern sowie Veränderungen der Synovialmembran charakterisiert ist. Im Zentrum der Pathogenese der Osteoarthrose steht eine sterile Entzündung der Gelenkkapsel, eine sogenannte Synovialitis.

Eingeteilt kann die Arthrose in eine primäre und sekundäre Form werden. Bei der primären, auch idiopathische Form genannt, ist keine direkte Ursache festzustellen. Der sekundären Form liegt stets eine Ursache wie z. B. eine Gelenkfraktur oder auch eine Hüftgelenksdysplasie zugrunde.

Ursachen

Weitaus häufiger als früher angenommen, sind Katzen von Arthrosen betroffen. Je nach wissenschaftlicher Studie finden sich bei bis zu 90% aller Katzen radiologische Hinweise auf Arthrosen. Der Häufigkeit nach werden abgestuft Arthrosen an Wirbelsäule und Gliedmaßenskelett gleichzeitig, an Wirbelsäule alleine und an Gliedmaßen festgestellt. Zu erwähnen ist allerdings, dass diese 90% rein radiologische Veränderungen delektieren, es sich aber nicht um die klinische Häufigkeit der felinen Osteoarthrose handelt.

Bei der Katze scheint die Mehrzahl der Osteoarthrosefälle, im Unterschied zur Situation beim Hund, primären Ursprungs zu sein. Auffallend ist, dass arthrotische Veränderungen häufig bilateral auftreten. Das ist wiederum charakteristisch für kongenitale Malformationen (z. B. Gelenksdysplasie), systemische Veränderungen (z. B. Endokrinopathien, Stoffwechselerkrankungen) oder Überbelastung. Deswegen ist es fraglich, ob idiopathische Arthrosen tatsächlich in einem so hohen Maße vorkommen oder ob es bislang noch unbekannte Faktoren wie z. B. chronisch geringgradige Traumata oder dezente Malartikulation gibt, die Ursache für die Arthroseentstehung sein können.

Symptome

Im Gegensatz zum Hund ist die Lahmheit bei Katzen häufig nicht das Leitsymptom der Erkrankung. Katzen können Anzeichen einer Erkrankung maskieren und keinerlei offensichtliche Symptome zeigen. Häufig stehen andere Symptome/ Anzeichen im Vordergrund der Erkrankung bei Katzen. Viele erkrankte Tiere zeigen aufgrund einer verminderten Bewegungsaktivität eine Gewichtszunahme. Andere Tiere hingegen verlieren an Gewicht, da sie ihre Futterplätze schmerzbedingt nicht mehr so häufig aufsuchen. Viele an Katzen passen ihre Lebensweise der veränderten Situation an. Sie spielen weniger, benützen den Kratzbaum nicht mehr so oft, frühere Lieblings- und Schlafplätze werden nicht mehr so häufig aufgesucht, Freigänger jagen nicht mehr oder klettern kaum noch auf Bäume. Auch das Kot- und Harnabsatzverhalten kann beeinträchtigt sein. Zum Beispiel wird die Katzentoilette nicht mehr oder weniger aufgesucht. So passiert es, dass Kot bzw. Harn neben der Toilette abgesetzt werden.

Weitere mögliche Anzeichen für Schmerzzustände bei der Katze sind: aggressives oder ängstliches Verhalten, erhöhter Schlafbedarf, vermehrte Lautäußerungen oder veränderte soziale Verhaltensweisen. Auch vernachlässigen Katzen mit dieser Erkrankung häufig ihr Fell- und generell die Körperpflege, sodass sie mit einem stumpfen und matten, verfilztem oder verklebten Fell vorstellig werden. Teilweise können auch haarlose Körperstellen im Bereich der Gelenke festgestellt werden, was Ausdruck von vermehrtem Lecken als Folge von Hyperästhesien sein kann. Lange Krallen lassen auf eine reduzierte körperliche Aktivität bzw. ein reduziertes Kratzverhalten schließen.

Diagnose

Die klinische Untersuchung bei Arthrosepatienten muss im Anschluss an eine ausführliche Anamnese erfolgen und und hat im Anschluss eine orthopädische Untersuchung des Bewegungsapparates. Bei der orthopädischen Untersuchung startet man mit der Analyse des Gangbildes. Erst danach beginnt man mit der palpatorischen Untersuchung, wobei auch da wichtig ist, dass nicht betroffene Gelenke ebenso untersucht werden, wie schmerzhafte. Man muss sich einen Überblick über die anatomischen Gegebenheiten und die Dynamik der Gelenke machen. Dazu gehört eben auch das Vergleichen von Bewegungsabläufen an gesunden und erkrankten Gelenken.

Ergeben sich durch Anamnese und klinische Untersuchung Hinweise auf das Vorliegen einer Arthrose, so müssen zur Diagnosesicherung Röntgenaufnahmen durchgeführt werden. Wichtig dabei ist, dass man immer in mindestens 2 Ebenen versucht die betroffenen Gelenke darzustellen und ebenso wichtig ist es sie wiederum vergleichend mit den gesunden Gelenken zu röntgen.

Steht man vor dem Problem, dass in der kinischen Untersuchung kein eindeutig schmerzhaftes Gelenk lokalisiert werden konnte, so bietet es sich dennoch an, Aufnahmen von Hüfte, Ellenbogen und Kniegelenken zu machen, da diese Gelenke am häufigsten von Arthroseveränderungen betroffen sind. Nicht selten kommt es vor, dass sehr schmerzhafte Katzen die radiologische Untersuchung nicht ohne Sedierung tolerieren. Sind typische radiologische Arthrosekennzeichen sichtbar, so kann man eine Diagnose stellen. Bei der Interpretation ist allerdings zu beachten, dass der Grad der radiologischen Veränderungen nicht mit der klinischen Relevanz korreliert.

Röntgenuntersuchungen sind zwar bestens geeignet um knöcherne Veränderungen zu detektieren, aber Veränderungen des Gelenkknorpels oder des Stratum synoviale können hingegen nicht dargestellt werden. Somit ist es möglich, dass hochgradige röntgenologische Veränderungen keine klinische Bedeutung haben, aber auch dass röntgenologisch unauffällige Gelenke hochgradig schmerzhaft sind. Röntgenuntersuchungen sind also immer und ausschließlich nur in Verbindung mit einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung als Hilfsmittel auf dem Weg zur Diagnose der felinen Osteoarthrose zu sehen. Um die Ursache einer sekundären Arthrose feststellen zu können, kann ebenfalls die Durchführung einer Computertomografie oder auch einer Magnetresonanztomografie sinnvoll sein.

Therapie

An erster Stelle der Therapie steht die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Um das zu erreichen, ist es wichtig von verschiedenen Seiten das Problem anzupacken. Zum einen müssen Schmerzen und Entzündungsreaktionen unter Kontrolle gebracht werden, die Bewegungsfähigkeit der erkrankten Gelenke muss verbessert oder erhalten bleiben und zu guter Letzt ist es Ziel die Krankheit so gut es geht im Fortschreiten aufzuhalten, zumindest zu verlangsamen.

Generell gibt es verschiedene Methoden diese Ziele zu erreichen – konservative, alternativmedizinische und chirurgische Möglichkeiten

Die chirurgischen Verfahren, die eingesetzt werden können, sind einerseits dazu dar, um die zugrundeliegende Ursache zu beseitigen, sofern möglich; das Gelenk zu versteifen oder das betroffene Gelenk zu entfernen.

Konservativmedizinisch steht die medikamentelle Schmerztherapie an oberster Stelle. Sie ist grundsätzlich effektive Behandlungsmethode für alle Katzen, bei denen eine Operation keine Alternative darstellt. Aber auch ergänzend zur operativen Therapie wird sie oft benötigt. In erster Linie stellen sogenannte NSAIDs das erste Mittel der Wahl bei Schmerztherapien dar. Sie können häufig über einen langen Zeitraum verabreicht werden. Ganz im Gegensatz zu Glukokortikoiden. Auch diese Medikamente haben eine sehr gute analgetische, antipyretische und antiinflammatorische Wirkung, jedoch ist eine Langzeittherapie risikoreich aufgrund vieler systemischer Nebenwirkungen. Ebenso ist eine gleichzeitige Verwendung der NSAIDs und Glukokortikoiden kontraindiziert! Eine sehr gute Möglichkeit langfristig zu helfen sind Ergänzungsfuttermittel und Slow Acting Drugs. Zu letzteren gehören Glucosaminsulfate, Chondroitinsulfate und Hyaluronsäure. Diese Substanzen sind Vorläufersubstanzen für die Synthese und Reparatur des Gelenkknorpels und führen zu einer Verlangsamung des Knorpelabbaus.

Wichtige Nahrungszusätze wie Grünlippenmuschel, Zink, Mangan, Selen, Weihrauch, Teufelskralle, Ingwer um nur ein paar zu nennen haben ebenfalls positiven Effekt auf den Gelenksstoffwechsel. Futterumstellung auf medizinische Futtermittel, die die Knorpelsynthese fördern, sind zusätzlich sinnvoll. Unterstützend ist es angeraten Physiotherapie, Gewichtsmanagement und Haltungsbedingungen anzupassen.

Prognose

Im Grunde ergibt sich die Liste der Prophylaxe aus der Liste der begünstigenden Faktoren, beziehungsweise aus ihrem jeweiligen Gegenteil. Fazit ist, mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichender Bewegung, genügend Flüssigkeitsangebot und Hygiene sollte in den meisten Fällen ein Vorbeugen gelungen sein. Zusätzlich können auch Hausmittel wie Blasentees, Cranberries, D-Mannose verwendet werden.

Quellen

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