Tierklinik St. Pölten / Arthrose bei Hunden
Arthrose bei Hunden2020-01-22T10:50:18+00:00

Mag. Sarah Hofmeister

Allgemeinmedizin, innere Medizin

Arthrose bei Hunden

Zusammenfassung

Arthrose ist eine der häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates beim Hund. Rund 20 % aller Hunde erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Schmerzen und Einschränkungen in der Beweglichkeit sind die Folge. Eine Therapie kann im Fall der Arthrose keine Heilung bedeuten und sollte immer individuell patientenspezifisch zusammengestellt werden.

Was ist eine Arthrose?

Unter einer Arthrose versteht man eine vorwiegend degenerative, nicht entzündliche und nicht infektiöse chronische Erkrankung der Gelenkknorpel. Man kann grundsätzlich zwei Arten der Arthrose unterscheiden. Eine primäre Arthrose, mit unbekannter Ursache und eine sekundäre Arthrose, die zumeist traumabedingt nach Fehl- oder Überbelastungen zustande kommt.

Egal ob es sich um eine primäre oder sekundäre Arthrose handelt, es kommt immer zu einer pathologischen Veränderung des Knorpelgewebes. Als Spätfolge ist auch der Knochen mitbeteiligt, wobei es zu Knochenzubildungen und Knochenfreilegung kommen kann (letzteres dann, wenn Knorpelgewebe gänzlich zerstört ist).

Wenn es zu einer Entzündung kommt, spricht man auch manchmal von aktivierten Arthrose.

Lange Zeit wurde die Arthrose ausschließlich durch die Zerstörung des Gelenkknorpels, vermehrte Osteophytenbildung (= umschriebene Knochenneubildungen, die im Rahmen von degenerativen Knochenveränderungen von der Knochenhaut ausgehen) und Remodeling der Knochenstrukturen beschrieben. Mittlerweile weiß man aber, dass pathologische Veränderungen des periartikulären (= um ein Gelenk herum gelegen) Gewebes, der Synovialmembran (= Innenschicht der Gelenkkapsel) und des subchondralen (= unterhalb des Knochens) Knorpels sowie des gesamten angrenzenden Gewebes (nämlich: Muskeln, Sehnen und Bänder) eine genauso entscheidende Rolle spielen.

Am Ende entsteht ein Schmerz, der chronisch wird.

 

Was eine Arthrose von einer Arthritis unterscheidet, ist die nicht erhöhte Leukozytenzahl in der Synovia (=Gelenksflüssigkeit).

Ursachen

Begünstigende Faktoren einer Arthroseentstehung sind häufig Alter, Größe und Gewicht eines Hundes. Oft sind auch haltungsbedingte Faktoren mitzuzählen wie mangelnde Bewegung, Übergewicht und unausgewogene oder falsche Ernährung. Weiters sind Fehlstellungen der Gliedmaßen und instabile Gelenke, wie bei Dysplasien, die oft genetisch bedingt sind, Grund für Überlastungen und somit für degenerative Veränderungen, die chronisch entstehen. Zu den genetisch prädisponierten Rassen zählen Golden Retriever, Labrador Retriever, Deutscher Schäferhund, Berner Sennenhund und Deutsche Dogge. Auch traumabedingt nach Fehl- oder Überbelastungen können Arthrosen entstehen.

Symptome

Besitzer können häufig beobachten, dass Hunden das Aufstehen nach langem Liegen schwerfällt, insbesondere morgens. Auch Steifheit der Gliedmaßen, vor allem der Hüfte oder Wirbelsäule kann auffällig sein. Anlaufschwierigkeiten nach Ruhephasen, allgemeine Bewegungsunlust, Schonstellung der betroffenen Gelenke, Lahmheit die vorübergehend oder auch permanent vorliegen kann, sind Symptome. Manchmal sind auch geschwollene, warme oder gar steife Gelenke bemerkbar. Die Schmerzen treten lokal am Gelenk auf, können aber auch über Schmerzrezeptoren in den Bereich der Muskeln und Sehnen weitergeleitet werden. Darüber hinaus können als Folge der häufig eingenommenen Schonhaltung, Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat ausgelöst werden.

Diagnose

Die klinische Untersuchung bei Arthrosepatienten muss im Anschluss an eine ausführliche Anamnese erfolgen und hat im Anschluss eine orthopädische Untersuchung des Bewegungsapparates.

Bei der orthopädischen Untersuchung startet man mit der Analyse des Gangbildes. Erst danach kommt die palpatorische Untersuchung, wobei auch da wichtig ist, dass nicht betroffene Gelenke ebenso untersucht werden, wie schmerzhafte. Man muss sich einen Überblick über die anatomischen Gegebenheiten und die Dynamik der Gelenke machen. Dazu gehört eben auch das Vergleichen von Bewegungsabläufen an gesunden und erkrankten Gelenken.

Ergeben sich durch Anamnese und klinische Untersuchung Hinweise auf das Vorliegen einer Arthrose, so müssen zur Diagnosesicherung Röntgenaufnahmen durchgeführt werden. Wichtig dabei ist, dass man immer in mindestens 2 Ebenen versucht, die betroffenen Gelenke darzustellen und ebenso wichtig ist es sie wiederum vergleichend mit den gesunden Gelenken zu röntgen. Steht man vor dem Problem, dass in der kinischen Untersuchung kein eindeutig schmerzhaftes Gelenk lokalisiert werden konnte, so bietet es sich dennoch an Aufnahmen von Hüfte, Ellenbogen und Kniegelenken zu machen, da diese Gelenke am häufigsten von Arthroseveränderungen betroffen sind. Sind typische radiologische Arthrosekennzeichen sichtbar, so kann man eine Diagnose stellen. Bei der Interpretation ist allerdings zu beachten, dass der Grad der radiologischen Veränderungen nicht mit der klinischen Relevanz korreliert.

Röntgenuntersuchungen sind zwar bestens geeignet, um knöcherne Veränderungen zu detektieren, aber Veränderungen des Gelenkknorpels oder des Stratum synoviale (= Synovialmembran) können hingegen nicht dargestellt werden. Somit ist es möglich, dass hochgradige röntgenologische Veränderungen keine klinische Bedeutung haben, aber auch dass röntgenologisch unauffällige Gelenke hochgradig schmerzhaft sind. Röntgenuntersuchungen sind also immer und ausschließlich nur in Verbindung mit einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung als Hilfsmittel auf dem Weg zur Diagnose der Arthrose zu sehen.

Um die Ursache einer sekundären Arthrose feststellen zu können, kann ebenfalls die Durchführung einer Computertomografie (CT) oder auch einer Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll sein

Therapie

Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, alle in der Veterinärmedizin zur Verfügung stehenden Therapieoptionen zu berücksichtigen. Es können verschiedene Maßnahmen miteinander kombiniert werden. In jedem Fall muss die jeweilige Therapie auf den Patienten individuell abgestimmt werden.

Hierbei ist der Tierbesitzer und dessen Einsatz besonders wichtig, um die besten Fortschritte zu erzielen. Punkte, die man selbstständig zuhause durchführen kann, sind zum Beispiel die Gewichtskontrolle oder Gewichtsreduktion. In regelmäßigen Abständen sollte das Gewicht des Patienten überprüft werden. Zu diesem Zwecke ist es natürlich auch erlaubt in der Tierklinik St. Pölten vorbei zu kommen, um den geliebten Vierbeiner zu wiegen, sollte man selber über keine geeignete Waage verfügen. Die Fütterungsmengen sollten in jedem Fall reduziert werden, wenn Übergewicht besteht. Alleine schon eine Gewichtsreduktion führt in den meisten Fällen bereits zu einer Verbesserung der Lahmheit.

Im Zusammenhang damit steht häufig auch die Ernährung. Oft schon hilft es dabei auf etwaige Leckereien, die zusätzlich zu den Hauptmahlzeiten angeboten werden, zu verzichten. Trotzdem sollte auch neben der Kalorienmenge auf die Zusammensetzung der Futtermittel geachtet werden. Speziell für Arthrosepatienten gibt es verschiedene Alleinfuttermittel, die genau an die Bedürfnisse der stark beanspruchten Gelenke angepasst sind. Mit Inhaltsstoffen wie Kurkumin, hydrolysiertem Kollagen und Polyphenolen (aus grünem Tee) wird die Gelenksgesundheit unterstützt. Ebenso gibt es zahlreiche Zusatz- und Ergänzungsfuttermittel, die entzündungshemmend wirken und förderlich für den Knorpelaufbau und die Produktion der Gelenksflüssigkeit sind. Einige wenige davon sind Glykosaminoglykane, Chontroedinsulfat, Hyaluronsäure, MSM, Grünlippmuschelpulver, Extrakte aus Ingwer, Pfeffer und Teufelskralle.

Zu den beiden bereits genannten Punkten Gewichtskontrolle/ – reduktion und Ernährung, gehört gleichermaßen die Bewegung zu den Punkten, die der Tierbesitzer selber bewerkstelligen kann und muss. Ausreichende Bewegung und indirekt dadurch der Muskelaufbau sind unerlässlich für eine erfolgreiche Arthrosetherapie. Am geeignetsten dafür sind ausgedehnte Spaziergänge vorzugsweise auf ebenen Wegen. Bergwanderungen können oft leider kontraproduktiv und zu Überbelastungen der Gelenke führen. Ein gleichmäßiges Wandern auf ebenen Routen ist daher besser geeignet. Auch Schwimmen kann für viele Patienten eine wunderbare und gelenkschonende Alternative bieten.

Als Tierärzte haben wir die Möglichkeit alle der oben genannten Prozesse durch adäquates Schmerzmanagement zu unterstützen. Aufgrund der antiinflammatorischen, analgetischen und antipyretischen Wirkung sind NSAIDs die Mittel der Wahl in der Arthrosetherapie. Es kommt zu einer Linderung klinischer Schmerzsymptome, durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese (= Biosynthese von Lokalhormonen, die eine Rolle in der lokalen Schmerzvermittlung und der Entstehung von Fieber bei Entzündungsprozessen spielen). Da Prostaglandine nicht nur an der Pathophysiologie der Arthrose, sondern auch an positiven metabolischen Vorgängen beteiligt sind, ist es in der Langzeittherapie entscheidend, Wirkstoff, Dosierung und Dauer der Anwendung kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Weiters können Physiotherapie und Chiropraktik für manche Patienten hilfreich und sinnvoll sein. Neben der direkten Behandlung der betroffenen Gelenke ist es wichtig, die Probleme, die aufgrund veränderter pathologischer Bewegungsabläufe und kompensatorischer Fehlbelastungen entstehen, zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Dabei sollte der gesamte Bewegungsapparat durch gezielte Übungen und Muskelaufbau aufrechterhalten, und wenn möglich verbessert werden.

Manuelle Untersuchungs- und Therapiemethoden machen es möglich, die Gelenkbeweglichkeit an Wirbelsäule und Gliedmaßen zu beurteilen und dadurch auch zu positiv zu behandeln. Spätfolgen und weitere strukturelle Veränderungen können so verhindert oder reduziert werden.

Diese zusätzlichen Behandlungsarten sind zu jedem Zeitpunkt der Therapie angeraten und verbessern langfristig die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit des Tieres.

Als letzte Möglichkeit Arthrosebeschwerden medizinisch zu Bekämpfen gibt es die Chirurgie.

Die chirurgischen Verfahren, die eingesetzt werden können, sind einerseits dazu da, um die zugrundeliegende Ursache zu beseitigen, sofern möglich, das Gelenk zu versteifen oder das betroffene Gelenk zu entfernen.

Prognose

Da die bereits am Gelenkknorpel entstandenen Schäden irreparabel sind, ist eine Heilung im eigentlichen Sinne nicht möglich. Man kann nur versuchen, durch Optimieren der Lebensumstände und eine adäquate Schmerztherapie in Kombination mit alternativen Methoden eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten.

Quellen

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  • Keller A, Arthrose beim Hund multimodal managen, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York, Jänner 2019