Neurologie2019-05-16T21:50:58+00:00

Neurologie

Die Neurologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und Muskulatur. Während neurologische Symptome häufig auf den ersten Blick erkennbar sind, erfordern manche Erkrankungen eine ausführliche Abklärung um die Ursache ausfindig zu machen. Zu den häufigsten neurologischen Symptomen und Erkrankungen zählen u.a. Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, Koordinationsstörungen, Verhaltensveränderungen, Lähmungen, Kopfschiefhaltung, Verlust des Seh-/Hörvermögens, Schluckbeschwerden, Schwäche unklarer Ursache usw. Manchmal werden orthopädische Probleme, i.e.S. Lahmheiten, als Lähmungen interpretiert. Hier ist eine ordentliche Untersuchung zur Unterscheidung meist ausreichend. Hilfreich ist es häufig eine Videoaufnahme bei akuten Krankheitsanzeichen zu erstellen. Dies hilft uns oft die Symptome besser zu verstehen.

Diagnose

Die Abklärung von neurologischen Ausfällen erfordert eine ausführliches Anamnesegespräch (Beginn, Verlauf, Symptome, Vorbehandlung, …). Dies kann bei bestimmten Erkankungen der Schlüssel zur Diagnose sein. Nach einer allgemeinen Klinischen Untersuchung wird eine spezielle neurologische Untersuchung durchgeführt. Durch spezifische Tests (Beurteilung von Verhalten und Gangbild, Untersuchung der Reflexe und der Sensibilität, Untersuchung der Kopfnervenfunktion, …). Je nach den Befunden werden spezifische Untersuchungen angeraten. Zum Standard zählen Blut- und ggf. Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen. Weiterführend können Liquorpunktionen (Entnahme einer Nervenwasserprobe aus dem Rückenmarkskanal) oder eine Computertomographie vom Gehirn oder der Wirbelsäule durchgeführt werden. Eine Computertomographie ermöglicht die Schnittbilddarstellung jeglicher Gewebetypen und erlaubt somit in das innere aller Strukturen des Körpers zu sehen.

Neurochirurgisch können wir mit operativen Eingriffen an der Wirbelsäule bzw. am Rückenmark weiterhelfen: Häufige Indikationen stellen Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle dar, bei denen es zu Lähmungserscheinungen kommen kann. Aber auch Tumore oder Wirbelfrakturen machen neurochirurgische Eingriffe nötig.

Häufige neurologische Krankheiten

Epilepsie

Krampfanfälle kommen relativ häufig bei Hunden, seltener bei Katzen vor. Oft ist keine konkrete Ursache zu finden, sodass die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie (Ausschlussdiagnose) gestellt werden kann. Aber auch einige weitere Erkrankungen der inneren Organe (Leber, Nieren, …), des Gehirnes (Entzündungen, Tumore, …) könne zu Anfällen führen. Die Therapie und auch Prognose hängt von der Ursache ab. Bei der häufigsten Diagnose: idiopathische Epilepsie ist eine Einstellung auf anfallshemmende Medikamente in den meistne Fällen von Erfolg gekrönt. Die prognose ist jedoch stark von der Ursache abhängig.

Entzündung des Aussen- / Innenohres

Bei Gleichgewichtsstörungen und / oder Kopfschiefhaltung kann eine Entzündung des Mittel- und Innenohres vorliegen. Diese kann mit einer Otoskopie, einem Blutlabor, einer Videootoskoipie oder einer Computertomographie diagnostiziert werden. Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose meist gut.

Geriatrisches Vestubulärsyndrom

Die Symptome beim geriatrischen Vestibulärsyndrom sind ähnlich wie bei einer Entzündung des Aussen- / Innenohres. Bekommt ein Hund im fortgeschrittenen Lebensalter plötzlich Gleichgewichtsstörungen ohne, dass eine erkennbare Ursache gefunden werden kann, ist diese Diagnose naheliegend. Die Prognose ist meist gut bis sehr gut.

Bandscheibenvorfall

Ein häufiger Vorstellungsgrund bei eher kleineren Hunderassen ist der Bandscheibenvorfall. Dabei fällt Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal vor und drückt auf das Rückenmark. Dies führt zu starken Schmerzen bis hin zu kompletten Lähmungen. Für die Diagnose ist ein Schnittbildverfahren (CT/MRT) notwendig. Nur so kann eine rasche und gezielte Therapie eingeleitet werden. Die Prognose ist bei frühzeitiger Behandlung gut.

neurolgische Form der FIP

Eine der häufigsten Infektionen mit neurologischer Beteiligung ist die FIP. Dabei handelt es sich um eine Viruserkrankung, welche neben anderen schweren Schäden im Körper auch zu einer eitrigen Entzündung im zentralen Nervensystem führen kann. Die Erkankung kann mit hilfe einer Liquorpunktion (Gehirnwasserpunktion) meist nachgewiesen werden. Leider ist die Prognose bei Nachweis aussichtslos.

Granulomatöse und nekrotisierende Meningoenzephalitis

Neben infektiösen Entzündungen des Gehirnes gibt es auch immunbedingte Entzündungen. Diese beginnen ohne erkennbare Ursache und sind im Verlauf sehr unterschiedlich. Während granulomatöse Entzündungen eher gutartig verlaufen, ist die Prognose bei einer nekrotisierenden Meningoenzephalitis schlecht. Mit einer immunsuppressiven Therapie kann die Überreaktion des Körpers auf körpereigene Zellen gebremst werden. des Gehirns. Diagnostik: Labor, MRT, Liquor. Therapie:Immunsuppressive Medikamente. Prognose: vorsichtig, aber sehr häufig langfristige Verbesserung.

SRMA (Steroid responsive Meningitis Artheritis)

Eine autoimmune Entzündung der Rückenmarkshäute beim Hund führt zu starken Schmerzen im Halsbereich. Eine Liquorpunktion mit einer anschließenden Zytologie weißt bei dieser Erkrankung eine hohe Anzahl an spezifischen Entzündungszellen auf. Die Therapie erfolgt über die Gabe von immunsuppressiven Medikamenten über eine Dauer von mehreren Monaten. Um diese Gabe zu rechtfertigen ist eine sichere Diagnose empfehlenswert.

Polyradikuloneuritis

Bei einer Polyradikuloneuritis kommt es zur Entzündung der vom Rückenmark abgehenden Nerven bzw. Nervenwurzeln. Dies führt zu einer hinten beginnenden schlaffen Lähmung  aller Gliedmaßen mit reduzierten Reflexen. Mit der richtigen Diagnose und Thearpie ist die Prognose als gut zu stellen.

Gehirntumore

Gehirntumore kommen gehäuft bei älteren Tieren vor. Neben spezifischen Symptomen sind v.a. Schnittbildverfahren zum Nachweis notwendig. Bevor über eine Therapie entschieden wird, sollte eine ausreichende Vorabklärung erfolgen, bei welcher auf die bösartigkeit (Metastasen, Infiltation, …) geachtet wird. Die Therapie richtet sich nach der Diagnose.