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Thorax Chirurgie (Brusthöhlenchirurgie)2019-10-14T21:35:04+00:00

Thorax Chirurgie (Brusthöhlenchirurgie)

Die Thoraxchirurgie beschäftigt sich mit Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen im Bereich des Brustraumes, also des Brustfells (Pleura), der Lunge, Luftröhre und Bronchien, des Mediastinums (Raum zwischen Brustbein und Brustwirbelsäule) und der Thoraxwand.

Operationen im Brustkorb ist auch heute noch ein für viele Tierbesitzer unvorstellbarer Eingriff, womit betroffenen Hunden oft eine große Chance versagt bleibt. Derartige Operationen zählen jedoch schon seit längerem zu Standardoperationen von speziell geschulten Chirurgen im Veterinärbereich.

Ist die Narkose bei einer Operation im Brustkorb besonders risikoreich?

Bei chirurgischen Eingriffen im Brustkorb muss die Lunge entweder durch den Anästhesisten selbst (manuell) oder mithilfe des Anästhesiegeräts beatmet werden. Durch die Eröffnung des Brustkorbes verliert man den Unterdruck im Pleuraspalt, dadurch können sich die Lungenflügel nicht mehr selbstständig entfalten.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Operation im Brustkorb bei Hunden?

Bei Hunden sind Tumoren der Lunge die Hauptindikation. Dazu muss man wissen, dass primäre Lungentumore eine gute Prognose aufweisen und keinesfalls ein Todesurteil darstellen.  Liegen Lungentumore isoliert und ohne dem Vorliegen von Metastasen vor, gibt es keinen Grund zu zögern oder gar auf die Operation zu verzichten.

 

Abb. 1: Lungentumor

Weitere häufige Eingriffe stellen Abszessbildungen zum Beispiel in Folge von Lungenentzündungen, Verletzungen und Fremdkörpern, die vom Rachen über die Luftröhre in die Lunge gewandert sind dar. Gerade bei Hunden kommt es manchmal zur Bildung eines Pneumothorax („Luftbrust“). Hierbei handelt es sich um ein meist akut auftretendes, je nach Ausprägung lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem Luft in den Pleuralspalt gelangt. Dadurch wird die Ausdehnung der Lunge behindert, sodass diese für die Atmung nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen. Die Ausprägung reicht von minimalen Luftmengen im Pleuraraum, die vom Patienten kaum bemerkt werden, über einen Lungenkollaps bis zum Spannungspneumothorax. Ein Pneumothorax kann spontan – also ohne zugrunde liegender Ursache – oder traumatisch auftreten. Ein spontaner Pneumothorax entsteht beim Hund häufig durch das Aufplatzen von luftgefüllten Blasen die in einem oder mehreren Lungenflügeln vorliegen können. Die Therapie der Wahl ist in diesem Fall die Entfernung des betroffenen Lungenlappens. Ein traumatischer Pneumothorax tritt zum Beispiel nach einem Sturz aus großer Höhe, einem massiven Schlag gegen den Brustkorb, durch Bissverletzungen, etc. auf. Ein traumatischer Pneumothorax lässt sich im besten Fall durch das Einlegen von Thoraxdrainagen behandeln, allerdings muss in komplizierten Fällen manchmal ein Lungenlappen entfernt werden.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Operation im Brustkorb bei Katzen?

Auch bei Katzen stellen primäre Lungentumore eine sehr häufige Op-Indikation dar. Ähnlich wie beim Hund ist die Prognose bei primären, isolierten Lungentumoren mit erfolgter Operation gut. Verletzungen der Lunge durch Bissverletzungen kommen bei Katzen häufig vor. Generell gilt, dass eine Bissverletzung im Brustkorbbereich immer chirurgisch exploriert werden sollte. Oftmals verbergen sich unter unscheinbaren Hautwunden im Brustkorbbereich tiefe Einbisse, die bis in die Lunge reichen.

Katzen leiden häufig am sogenannten „Pyothorax“ – dies sind Eiteransammlungen im Brustkorb. Die Hauptursache stellt die parapneumonische Bakterienaussaat dar – daher sind Katzen aus Haushalten mit vielen Katzen prädisponiert für die Entwicklung eines Pyothorax.

Neben einem Pyothorax leiden Katzen auch häufig am Chylothorax. Chylöse Flüssigkeitsansammlungen sind oft leicht zu erkennen, da die Flüssigkeit weiß/milchig ist. Zu solch einer Flüssigkeitsansammlung kann es als Folge jeder Erkrankung kommen, die eine Steigerung des Druckes in der vorderen Hohlvene zur Folge hat. Hierzu zählen Tumoren im Mediastinum, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen, Parasiten, Risse des Ductus thoracicus (Lymphabfluss), etc. In den allermeisten Fällen ist jedoch keine Ursache nachweisbar, man spricht dann vom „idiopathischen Chylothorax“. Therapie der Wahl ist der chirurgische Verschluss des Ductus thoracicus und eine gleichzeitige teilweise Ablösung des Perikards am Herzen. Mit dieser Kombinations-Operationsmethode werden 70-80% der Katzen geheilt.

Kann mein Hund / meine Katze normal leben, auch wenn ein Lungenlappen entfernt worden ist?

Wir nur ein Lungenlappen entfernt treten bei der Atmung keine Komplikationen oder Nebenwirkungen auf. Die Lunge unserer vierbeinigen Lieblinge besteht aus insgesamt 7 Lungenlappen, davon befinden sich drei auf der linken und vier auf der rechten Seite. Man kann theoretisch sogar alle Lappen von einer Seite entfernen, ohne dass eine Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist. Die verbliebenen Lungenlappen haben nach Entfernung eines oder mehrerer Lappen mehr Platz im Brustkorb und dehnen sich kompensatorisch mehr aus. Der Gasaustausch erfolgt somit absolut problemlos.

Wie kommt man überhaupt in den Brustkorb?

Prinzipiell gibt es 3 unterschiedliche Möglichkeiten, den Brustkorb zu eröffnen.

Laterale Thorakotomie: Hierbei erfolgt der Zugang zwischen den Rippen, entweder auf der linken oder rechten Seite. Bei diesem Zugang weiß der Chirurg im Vorfeld genau an welchem Lungenlappen operiert werden muss.

Mediane Sternotomie: Hier erfolgt der Zugang über eine Spaltung des Brustbeines. Ist eine gesamte Exploration des Brustkorbes notwendig, muss der Zugang über das Brustbein erfolgen.

Knopflochchirurgie (Thorakoskopie): über 2-3 kleine Löcher zwischen den Rippen ist diese Art der Chirurgie in ausgewählten Fällen durchaus möglich. Für den Patienten ist diese Methode am schmerzfreiesten und schonendsten.

Was ist nach einem Eingriff im Brustkorb zu beachten?

Gerade die ersten Stunden nach dem chirurgischen Eingriff ist die Schmerzkontrolle besonders wichtig. Weiters müssen die Lungen nach der Operation wieder einwandfrei funktionieren können, der physiologische Unterdruck in der Lunge muss wieder hergestellt werden und die Luft, die sich während der Operation in der Lunge angesammelt hat, muss wieder entfernt werden.

In den allermeisten Fällen bekommen die Patienten nach der Operation eine Drainage in den Brustkorb eingelegt. Diese Drainage bleibt zwischen 12 und 48 Stunden im Brustkorb. Nachdem sie entfernt worden ist, bleiben die Patienten noch für 24 Stunden zur Beobachtung in der Tierklinik. Insgesamt ist somit mit einem stationären Aufenthalt von 2-3 Tagen zu rechnen.