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Hals-Nase-Ohren-Chirurgie2019-10-14T21:41:39+00:00

Hals-Nase-Ohren-Chirurgie

Erkrankungen der oberen Atemwege sind oft mit Niesen, Nasenausfluss, Husten, Atemnot oder Atemgeräuschen verbunden. Zu den oberen Atemwegen zählen Nase, Nasennebenhöhlen, Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf sowie die Ohren und die jeweiligen Speicheldrüsen. Im Bereich des Halses werden Erkrankungen von Luftröhre, Speiseröhre, Schilddrüsen und Nebenschilddrüsen behandelt.

„Mund auf und AAAaaa-Sagen“ – das funktioniert bei unseren Vierbeinern leider nur in sehr seltenen Fällen. Daher ist für die meisten Untersuchungen der oberen Atemwege eine Narkose notwendig. Dazu zählen die Endoskopie (Spiegelung) von Nase, Nasenrachen, Kehlkopf und Luftröhre sowie die Computertomographie und manchmal auch die Magnetresonanztomographie. Im Rahmen dieser Untersuchungen kann eine Probenentnahme für pathohistologische, zytologische oder mikrobiologische Untersuchungen erfolgen.

Hat mein Vierbeiner ein Problem der oberen Atemwege?

Liegen eines oder mehrere der folgenden Symptome vor, ist eine Vorstellung in der HNO-Ambulanz empfehlenswert:

  • Laute Atemgeräusche
  • Schnarchen
  • Atemnot bei Ruhe und/oder bei Belastung
  • Belastungsintoleranz
  • Niesen
  • Nasenausfluss
  • Schwellungen im Halsbereich
  • Husten
  • Ohnmachtsanfälle
  • Missbildungen an Nase / Lefzen / Gaumen
  • Chronische Ohrenentzündungen

Brachycephalensyndrom

Einen großen Anteil der Patienten die in der HNO-Ambulanz vorstellig werden nehmen sogenannte prädisponierte Rassen (zum Beispiel die Gruppe der sogenannten Brachyzephalen) ein. Hierzu zählen unter anderem Möpse, Französische Bulldoggen, Englische Bulldoggen, Boston Terrier sowie Perser & Exotic Shorthair Katzen. Brachyzephalie bedeutet „Kurzköpfigkeit“ und ist leider eine Folge gezielter Zucht. Brachyzephale Hunde und Katzen sind sehr häufig von Problemen der oberen Atemwege betroffen. In Fachkreisen spricht man vom sogenannten „Brachyzephalen Atemnot-Syndrom (BAS)“.

Zu den klassischen Veränderungen zählen:

  • Stark verengte Nasenlöcher und Nasenhöhlen
  • Ein verlängertes und meist stark verdicktes Gaumensegel
  • Veränderungen am Kehlkopf
  • Aberrante (abweichende) Nasenmuscheln (sogenannte Conchen)
  • Kollaps der Luftröhre und / oder der Stammbronchien

Mein Tier ist brachyzephal und leidet am brachyzephalen Atemnot Syndrom – was kann ich tun?

Fast jeder Besitzer einer brachyzephalen Rasse muss sich früher oder später mit der Erkrankung auseinandersetzen. Eine chirurgische Therapie ist bei so gut wie jedem brachyzephalen Tier zu empfehlen. Die Lebensqualität wird frappierend verbessert, plötzliche Todesfälle bedingt durch Atemnot und das Anschwellen des Gaumensegels bei Aufregung werden deutlich reduziert, Hund und Katz werden aktiver und belastungstoleranter.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Operation?

Prinzipiell gilt: Je früher die Operation durchgeführt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Dennoch sollten die Patienten vor dem operativen Eingriff ausgewachsen sein – eine Operation sollte somit frühestens ab dem 8. Lebensmonat durchgeführt werden. Vereinzelt wird in sehr schweren Fällen der Eingriff schon früher empfohlen. Generell empfehlen wir die Operation in den kühleren Monaten – Frühling, Herbst und Winter sind optimal geeignet, sehr heiße Monate sollten vermieden werden.

Ich habe mich für eine Operation entschieden – wie ist das weitere Vorgehen?

Haben Sie sich für eine Operation entschieden, ist Ihre Ansprechperson in der Tierklinik St. Pölten Frau Dr. Wiebogen-Wessely. Sie hat während ihrer internationalen Facharztausbildung in Kleintierchirurgie bei Prof. Gilles Dupré – einem der Pioniere der Brachycephalenoperationen- gelernt und wendet dementsprechend seine Technik für die Operation an.

Der erste Schritt ist eine allgemeine Untersuchung ihres vierbeinigen Lieblings sowie ein ausführliches Beratungsgespräch. Im Zuge der ersten Untersuchung werden Röntgenbilder vom Brustkorb (zum Ausschluss von Lungen- und Herzerkrankungen) durchgeführt, sowie – je nach Alter – eine kleine oder größere Blutuntersuchung (Narkosefreigabe). Da bei brachyzephalen Hunderassen häufig sekundäre Veränderungen des Gastrointestinaltraktes vorliegen, wird eine 2 Wochen andauernde medikamentelle Therapie vor der Operation gestartet.

Der Op Tag – was passiert?

Am Tag der Operation wird Ihr Liebling nüchtern in die Klinik gebracht. Nach einer leichten Sedation erfolgt die Verabreichung eines Venenkatheters sowie die Allgemeinnarkose. Die Narkose erfolgt in der Tierklinik St. Pölten auf sehr hohem Niveau – bei brachyzephalen Patienten ist dennoch große Vorsicht geboten.

Die Op – Step by Step

Der erste Schritt nach der Narkose ist die Durchführung einer Computertomographie vom Kopf-, Nasen-, und Rachenbereich. Danach erfolgt eine endoskopische Untersuchung des Hals- und Rachenbereichs, der Nasenmuscheln und der Luftröhre. Abhängig von den erhobenen Befunden erfolgen die jeweiligen Schritte der Operation.

Fast in jedem Fall muss das Gaumensegel entsprechend gekürzt und verdünnt werden. Dr. Wiebogen-Wessely wendet hierfür eine Faltlappenplastik an. Laut aktuellen Studien ist dies die derzeit beste Operationsmethode, die zur Verfügung steht. Hierbei wird das Gaumensegel sowohl verdünnt als auch verkürzt. Der Verschluss erfolgt mit dünnen, sich selbst auflösenden Fäden. Außerdem wird der Lufteinstrom durch eine Vergrößerung der Nasenlöcher markant erhöht.Je nach erhobenen Vorbefunden sind in Ausnahmefällen noch weitere Operationsschritte (Entfernung von Nasenmuscheln, Korrekturen am Kehlkopf, etc.) notwendig.

Muss mein Vierbeiner lange in der Klinik bleiben?

Da Aufregung bei unseren brachyzephalen Patienten besonders vermieden bzw. so gering wie möglich gehalten werden sollte, möchten wir die Besitzer gerade in der Aufwachphase dieser Patienten dabei haben. Es wäre also sehr hilfreich, wenn Sie sich am Op Tag in Reichweite der Klinik befinden würden. Sobald Ihr Liebling fit genug ist, darf er noch am selben Tag in häusliche Pflege entlassen werden.

Nachsorge – was ist zu beachten?

Die ersten 2 Wochen nach der Operation sollte nur weiches Futter angeboten werden. Große Anstrengungen müssen so gut als möglich vermieden werden. Die gastrointestinale Therapie wird meist noch über einen Zeitraum von 2 Wochen fortgeführt. Eine deutliche Besserung ist im Durchschnitt 6 Wochen nach der Operation zu erwarten. Klinische Nachkontrollen erfolgen in der Regel 10 Tage sowie 6 Wochen nach der Operation.

Wie gefährlich ist die Operation?

Natürlich stellt eine Narkose gerade bei brachyzephalen Tieren immer ein gewisses Risiko dar – durch Intubation, Narkosegas, Beatmung und laufende Überwachung wird das Narkoserisiko in der Tierklinik St. Pölten so gering wie möglich gehalten.

Aufgrund der meistens bestehenden gastrointestinalen Zusatzerkrankungen sind die Patienten besonders gefährdet eine Regurgitation (Hochwürgen von unverdauten Futterbestandteilen, kein Erbrechen) und eine dadurch bedingte Aspirationspneumonie (schwere Lungenentzündung) zu entwickeln. Dies kann potentiell lebensbedrohlich sein. Um das Risiko so gering als möglich zu halten ist die zweiwöchige gastrointestinale Vortherapie essentiell. Eine weitere gefürchtete Komplikation ist das Zuschwellen des Rachenraums. Im schlimmsten Fall ist ein temporärer Luftröhrenschnitt notwendig. Die Mortalitätsrate (Sterberate) im Zuge der Operation bzw. postoperativ liegt derzeit bei etwa 4%.

Ist mein Tier nach der Operation vollständig geheilt?

Leider können mit chirurgischen Maßnahmen nicht alle gesundheitlichen Mängel die durch jahrelange falsche Zuchtauslese hervorgerufen wurden korrigiert werden. Auch in der Humanmedizin müssen manchmal umfangreiche Operationsmethoden „aufgefrischt“ werden. Gegebenenfalls ist eine Entfernung von Narbengewebe nach einigen Monaten notwendig.

Unser Ziel ist eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität – oberste Priorität ist die Erlangung eines artgerechten Lebens ohne permanente Atembehinderung oder gar Atemnot.

Was kostet die Operation?

Bei unkompliziertem Verlauf kostet die Operation – je nach Körpergrösse – zwischen 1700 und 2500 Euro. Hier sind alle Voruntersuchungen sowie die erste Nachkontrolle inkludiert.

Wie schnell bekomme ich einen Termin?

Ein Termin zur ersten Beratung ist generell innerhalb einer Woche möglich, Operationstermine können in der Regel innerhalb von 2 Wochen vergeben werden.

Larynxparalyse (Kehlkopflähmung) 

Grundsätzlich kann die Kehlkopflähmung angeboren oder erworben sein. Sowohl Hunde als auch Katzen können an dieser Erkrankung leiden, wobei Hunde deutlich häufiger betroffen sind.

Die erste Veränderung die dem Tierbesitzer deutlich auffällt ist eine Veränderung der Stimme. Hunde die normalerweise laut und kräftig bellen werden auf einmal heiser oder bellen überhaupt nicht mehr. Würgen, Husten und Keuchen – besonders während der Futter- oder Wasseraufnahme können auf eine Lähmung des Kehlkopfes hindeuten. Abnehmende Belastungstoleranz, Zehenschleifen sowie giemende oder pfeifende Atemgeräusche können auftreten. All diese Symptome verschlechtern sich graduell (Monate bis Jahre) und nehmen bei höheren Außentemperaturen zu. Gerade in den Sommermonaten können solche Patienten eine akute, lebensbedrohliche Atemnot entwickeln und werden meist als Notfall in der Klinik vorgestellt.

Ich vermute eine Kehlkopflähmung bei meinem Tier – was ist zu tun?

Wenn der Verdacht besteht, dass ihr Tier an einer Kehlkopflähmung leidet ist der erste Schritt die Vorstellung in der Ambulanz. Hier erheben wir in Ruhe einen ausführlichem Vorbericht mit dem wir in Folge einen Diagnose- und Therapieplan erstellen können.

Da bei einer Kehlkopflähmung häufig Begleiterkrankungen vorliegen können, werden die Durchführung einer großen Blutuntersuchung sowie eines Röntgenbildes des Brustkorbes (zum Ausschluss einer Weitstellung der Speiseröhre oder einer Lungenentzündung) dringend empfohlen.

Die Untersuchung des Kehlkopfes selbst ist nur in einer leichten Sedierung möglich. Bewegt sich der Kehlkopfknorpel bei Einatmung nach innen, flattert, oder zeigt keinerlei Bewegung hat sich die Verdachtsdiagnose bestätigt.

Diagnose Kehlkopflähmung – wie geht es weiter?

Die Chirurgie ist die Therapie der Wahl bei betroffenen Tieren mit moderaten bis schweren klinischen Anzeichen.  Nur in ganz seltenen Fällen führt eine konservative Therapie (Stressreduktion, Gewichtsabnahme, Vermeiden von Belastung während hohen Umgebungstemperaturen) zu einer Stagnation der Symptome.

In der Tierklinik St. Pölten wird im Falle einer Kehlkopflähmung die sogenannte Lateralisation des Aryknorpels („tie back“) angewandt. Eine der Stimmfalten wird mittels spezieller Nahttechnik nach außen gezogen und der Luftwiderstand somit reduziert.

Kehlkopflähmung – Nachbetreuung & Prognose

Ein stationärer Aufenthalt 24 Stunden postoperativ ist absolut empfehlenswert – sehr aufgeregte oder ängstliche Tiere werden in Ausnahmefällen schon wenige Stunden nach der Operation entlassen. Um ein Fehlschlucken zu vermeiden sollten die Patienten die ersten 10-14 Tage lediglich erhöht und mit kleinen Futtermengen gefüttert werden. Auch Wasser sollte nur rationiert angeboten werden.

Die Prognose nach der Operation ist generell sehr gut – bei knapp 90% der Tiere kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität. Daher wird diese Art der Operation auch bei Tieren in fortgeschrittenem Alter absolut empfohlen.

Operationen am Ohr und den Gehörgängen

Sehr häufige Operationen am äußeren Ohr stellen Tumorerkrankungen dar, betroffen sind meistens mittelalte (ab 7 Jahren) Hunde und Katzen. Je nach Tumortyp können gutartige und bösartige Tumoren unterschieden werden. Generell gilt: je bösartiger ein Tumor ist, umso aggressiver muss die Operation erfolgen. Manchmal muss neben der gesamten Ohrmuschel auch noch ein Teil des Gehörganges mitentfernt werden.

Der äußere Gehörgang endet schließlich am Trommelfell, einer Membran, die das äußere Ohr vom Mittelohr trennt.

Krankheiten des Gehörganges können das Hörvermögen deutlich reduzieren und das Verhalten der Tiere verändern.

Entzündungen des äußeren Gehörganges sind bei Hunden die häufigsten Erkrankungen des Ohres (siehe Otitis externa). Man unterscheidet zwischen primären (direkten) und sekundären (indirekten) Ursachen einerseits und prädisponierenden Faktoren (Anfälligkeit für eine Krankheit) andererseits.

Besonders bei wiederkehrenden, medikamentell nicht mehr behandelbaren Ohrentzündungen (Otitis media) werden Operationen im Gehörgangbereich notwendig. Eine Erweiterung und somit bessere Belüftung des äußeren Gehörgangs kann erforderlich sein, in einigen Fällen muss jedoch der gesamte Gehörgang entfernt werden.

Im Gegensatz zu Hunden leiden Katzen deutlich seltener an Ohrentzündungen. Gerade bei jüngeren Katzen kommt es jedoch häufig zu sogenannten Polypen. Es handelt sich um gutartige Wucherungen die entweder direkt vom Mittelohr, der Eustach´schen Röhre oder dem Rachenbereich stammen. Durch zunehmendes Wachstum des Polypen  und einer Ausweitung in den Rachen- oder Nasenraum kommt es zu typischen Schnarchgeräuschen, Niesen, Nasenausfluss oder gar Atembeschwerden. In schlimmen Fällen können auch neurologische Beschwerden (Kopfschiefhaltung, Vorfall des dritten Augenlids, Nervenausfälle im Gesichtsbereich) auftreten. Zur Diagnose gelangt man mittels Ohrspülung, Ohrinspektion in Narkose sowie einer Computertomographie. Die chirurgische Entfernung des Polypen durch eine sogenannte ventrale Bullaosteotomie ist empfehlenswert, die Rezidivrate liegt bei lediglich 4-11 %.